Ist das Internet Fluch und Segen zugleich für Hörspielverlage?

  • Ich lese mit großer Begeisterung im Talk, in anderen Foren, auf Instagram und fallweise auf Facebook Postings, Werbung und Infos betreffend Hörspiele. Dabei ist mir schon öfters durch den Kopf gegangen, dass das Internet für Hörspiellabels, für das Hörspiel an sich, aber auch für uns Hörspielfans im Grunde Segen und Fluch zugleich ist. Warum werde ich zu einem späteren Zeitpunkt erläutern. Vorher würde mich eure Meinung dazu interessieren. Warum findet ihr, dass das Internet für das Hörspiel allgemein, für uns Fans und auch für die Labels, Verlage und Hörspielschaffenden ein Segen ist? Warum ein Fluch? Und worin unterscheidet sich Segen und Fluch und die Veränderungen, die sich durch das Internet für die gesamte Hörspielszene eingestellt hat im Vergleich zu jener Zeit in der das Internet noch kein Thema für die Hörspielbranche hatte?

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Zum Info- und Meinungsaustausch, gerade auch über die Ferne, ist das Internet absolut genial für uns Hörspielhörer.
    Eigentlich bietet es für die Produzenten eine gute Möglichkeit mit vielen Hörern in direkten Kontakt zu treten, und sich so Meinungen aus erster Hand zu holen. Aber genau darin lauert die allergrößte Gefahr. Es sind zwar viele Hörer im Internet unterwegs, nur schreiben davon die wenigsten aktiv was. Viele lesen einfach nur. Bleibt die Frage, ob man sich so nicht all zu schnell ein falsches Meinungsbild über sein eigenes Produkt holt? Vielleicht sind da die reinen Verkaufszahlen doch manchmal die bessere Wahrheit.
    Begeben sich Produzenten auf ein zu persönliches Niveau herunter, vergrößert sich zusätzlich die Angriffsfläche, was aber auch für Hörer untereinander gilt.
    Auch bleibt die Anonymität im Internet weiterhin ein problematischer Punkt.
    Insgesamt denke ich, ist das Internet eine tolle Platform zum Meinungsaustausch für die Hörer geworden. Als Produzent würde ich das Internet allerdings mit sehr viel Vorsicht betrachten und mehr nur in Richtung mögliche Werbeplattform nutzen.

  • Schön geschrieben, lieber @hoerspiel, dem ich mich inhaltlich voll anschließen möchte.

    Das Internet hat uns Hörspielfans und den Hörspiellabels unendlich viel Positives aber auch unendlich viel negatives gebracht.

    Ich kenne noch die Zeit, in der wir uns als Hörspielfans durch Regalen von Kaufhäusern durchackern mussten. War unsere Lieblingsserie da, dann kauften wir, war sie nicht da, mussten wir es akzeptieren und schlucken und damit leben. Hie und da ein Brief an unser Lieblingslabel, gell @Gianni ;) , hie und da ein Bestellanruf, viel mehr Interaktion mit den Labels, geschweige denn zu anderen Hörspielfans, gab es die damals für uns überhaupt, fand nicht statt. Unser Wissen bekamen wir von Flyern in den Kassetten, von den LP-Cover, wo großflächig andere Hörspiele beworben wurden und von Groschenromanhefte wie John Sinclair wo Hörspielserien beworben wurden. Ganz anders heute - es gibt unzählige Plattformen, wo sich der Hörspielfan mit anderen Hörspielfans austauschen kann. Jedes Label bombardiert einem oftmals im positiven Sinne mit neuen Infos. Und kaum hat der Fan bei Facebook oder Instagram eine Anfrage gestellt, ist sie schon wieder beantwortet. Dank des Streamings werden wir jede Woche von Hörspielen überhäuft und können aus so vielen Hörspielen auswählen wie wir es uns in unseren schönsten Träumen nicht ausmalen können. Da ist also verdammt viel Licht, viel Segen dabei. Aber natürlich gibt es auch ein wenig Schatten. Der Fluch unserer Zeit ist, dass wir so viele Reize erhalten, so viele Infos bekommen, dass es schwierig ist jenes heraus zu filtern dass wirklich wertvoll ist. Darüber hinaus macht es die Fülle an Hörspielen schwierig sich die Zeit zu nehmen einer Geschichte intensiv zu widmen und sie mehrfach und öfters zu hören. Oftmals hetzen wir von einer Neuankündigung zu nächsten, können wir das einzelne Produkt gar nichtadlige richtige Wertschätzung mitbringen. Darüber hinaus wird bei anfänglichem Nichtgefallen sofort abgebrochen. Auch dies kann als Segen, wenn es wirklich bis zum Ende nicht gefallen sollte, oder als Fluch, weil man der Geschichte nicht die Chance lässt sich zu entfalten, angesehen werden. Und auch die vielen Plattformen zum Austausch können nicht nur Quell der Unterhaltung sondern manchmal auch Ursprung von Ärgernis und Streit sein. Es gäbe hier noch einiges zu erwähnen warum wir Hörspielfans das Netz lieben und hassen könnten.

    Wie sieht es bei den Labels aus? Nie zuvor kann man so rasch Infos an den Mann bringen. Nie zuvor war es einfacher Hörspiele zu bewerben und Dank der Stteamingplattformen tausende von Menschen mit seinen Hörspielen bedienen. Die finsteren Zeiten des Internets mit Raubkopien hat man erfolgreich hinter sich gelassen. Der neue Fluch und Segen heißt Streaming. Warum dies beides der Fall ist, haben wir hier schon mehrfach diskutiert. Aber auch der Austausch mit den Fans ist einerseits ein Glücksfall, weil man Menschen an Label und Produkt binden kann, kann aber auch zu einem negativen Boomerang werden. Im Gegensatz zu früher muss man nun dem Kunden ständig Rede und Antwort stellen. Jede Anfrage muss sofort beantwortet werden, jeder unzufriedene Hörspielfan kann coram publico seinen Unmut äußern und damit andere Hörspielfans beeinflussen. Hat sich ein Kritiker erst einmal „festgebissen“, ist es schwer ihn vom positiven Gegenteil zu überzeugen. Überhaupt wird eine Kritik oftmals mehr zu Herzen genommen, sowohl von Fans als auch Labels als viele positive Meldungen. Auch hier könnte man noch vieles schreiben und ausführen.

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Zum Info- und Meinungsaustausch, gerade auch über die Ferne, ist das Internet absolut genial für uns Hörspielhörer.
    Eigentlich bietet es für die Produzenten eine gute Möglichkeit mit vielen Hörern in direkten Kontakt zu treten, und sich so…

    Es war noch nie so einfach die Zielgruppe mit ein paar Pressemitteilungen so schnell und günstig zu erreichen: Facebook, Instagram, Hörspielforen, etc. dazu ein eigener Shop auf der Homepage und man hat schon sehr viele Fans erreicht.
    Die Idee die Michael im Talk hatte, mit den Hörspiel Live Premieren, fand ich sehr gut und hat Labels die Möglichkeit gegeben sich direkt mit den Fans auszutauschen. Als Produzent und Macher ist es einfacher geworden sich direkt mit den Konsumenten auszutauschen, allerdings ist es dann auch nötig mit Kritik umzugehen.

    Das was das eigenen Unternehmen weiterbringt sollte man nutzen und versuchen die negativen Einflüsse so klein wie möglich zu halten, gute und berechtigte Kritik sollte man erkennen und sich damit auseinandersetzen.

    So long

    grifter

    "Wenn du es auf der Straße zu was bringen willst, dann bind dich auf keinen Fall an jemand, häng dich an nichts, was du nicht problemlos in 30 Sekunden wieder vergessen kannst wenn du merkst das dir der Boden zu heiß wird."

    Neil McCauley

  • Ist das Internet Fluch und Segen zugleich für Hörspielverlage? 9

    1. Ja, ist es! (5) 56%
    2. Nein, es ist nur ein Segen für die Verlage! (2) 22%
    3. Kann ich nicht beantworten! (2) 22%
    4. Nein, es ist nur ein Fluch für die Verlage! (0) 0%
    5. Siehe Posting / Sonstiges (0) 0%

    Ich stelle noch eine Umfrage dazu hier hinein. Vielleicht gibt es auch noch Meinungsäußerungen dazu?!

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Was die Meinungsbildung betrifft, so habe ich doch den Eindruck, dass erst das Internet geschafft hat Hörspielfans, die sonst alle überall verteilt sind, zusammen zu führen. Das hat für Labels sicherlich den Vorteil über diverse soziale Netzwerke sich diese Maße an Menschen zu Nutze zu machen und sie als potentielle Kunden zu erreichen. Es hat auch den Vorteil sie als Fans zu mobilisieren. Aber wehe die Maße ärgert sich über etwas. Dann kann es leicht dazu führen, dass die grenzenlose Begeisterung in einen regelrechten Sturm der Entrüstung umschlägt und großen finanziellen Schaden anrichtet. Man muss nur schauen was passiert wenn ein Label ein schlechtes Produkt abliefert. Dann spielts Granada und die ehemaligen lieben Fans, die alles kaufen was veröffentlicht wird, werden zu einer giftigen Schlange, die sich schriftlich und verbal regelrecht in das Label verbeißt und es nicht mehr aus seinem Würgegriff entlässt.

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • 3 Jahre später - mit Blick auf Streaming, KI & Shitstorm - wie würdet ihr heute die Frage beantworten? Tut das Netz und alle seine damit verbundenen Errungenschaften dem Hörspiel gut?

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Markus G. Schwierige Frage, auch weil wir gerade beim Streaming und der KI uns noch ganz am Anfang befinden. Denke zudem, jede technische Errungenschaft hat auch ihre Schattenseiten. Das Hörspiel hat bisher noch jede technische Veränderung überlebt. Oft totgesagt, ist es hierzulande noch immer ein beliebtes Medium und auch gerade im erwachsenen Bereich hat sich das Hörspiel etabliert. Ich finde dies alleine schon sehr erstaunlich. Letztlich ist dies wahrscheinlich auch der Tatsache gesvhuldet, dass wir Fans das Hörspiel weiterhin im Herzen tragen. Man muß auch nicht alle technische Neuerungen positiv sehen und darf gerne auch gegen das eine oder andere gegensteuern, aber im Gesamttenor sollten wir auch immer positive offen bleiben und uns im Kern einfach darauf freuen, dass es auch immer noch so viele tolle Hörspiele zu hören gibt.

  • Es war noch nie so einfach die Zielgruppe mit ein paar Pressemitteilungen so schnell und günstig zu erreichen: Facebook, Instagram, Hörspielforen, etc. dazu ein eigener Shop auf der Homepage und man hat schon sehr viele Fans erreicht.

    Naja, ganz ehrlich: das gilt aber für alle. Und wenn alle das denken und nutzen, dann erreicht man wiederum niemanden, weil die einzelne Info in der Flut völlig untergeht. Die Halbwertszeit von Infos ist auf 30 Sekunden runtergegangen. Und um dann wieder durchzuschlagen, muss man wieder Geld für Werbung in die Hand nehmen. Also geändert hat sich letztendlich nichts.

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