Wie geht ihr mit Kritik an euren Lieblingshörspielen/Serien/Reihen bzw. Lieblingslabels oder Lieblingssprecher/innen um?

  • Ihr kennt das sicher. Das ist gelebte Forumsrealität. Ihr seid von einem Hörspielerlebnisse rund um begeistert, postet euphorisch und jemand anderer hat ein subjektiv ganz anderes Empfinden und schreibt genau vom gegenteiligen Erleben. Wie fühlt ihr euch dabei? Wie verhaltet ihr euch dabei? Welche Position nehmt ihr ein und wie reagiert ihr darauf? Was für Erlebnisse habt ihr diesbezüglich schon gemacht - positive wie negative?

    #?#

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Es kommt darauf an, wie die Kritik formuliert ist. Wenn jemand einfach sagt, dass er eine andere Meinung hat, dann habe ich damit kein Problem, denn Geschmäcker sind nun mal verschieden. Ich versuche dann seine Argumenten nachzuvollziehen und zu überlegen, warum mich die Kritikpunkte, die er formuliert, nicht gestört haben bzw. ob mir das überhaupt aufgefallen ist.

    Wenn aber jemand versucht seine Meinung als die allein richtige darzustellen und z.B. alle, die nicht dieser Meinung sind als "Fanboys" abstempelt oder behauptet, dass sie keine Ahnung haben, dann stößt mir das schon sauer auf. Das gilt übrigens unabhängig davon, welche Meinung ich selbst habe bzw. ob ich das Hörspiel überhaupt schon gehört habe. Jeder soll hier gern anderer Meinung sein und man kann auch in der Sache gern hart darüber streiten, da habe ich kein Problem damit, man sollte aber beim Hörspiel selbst bleiben und nicht auf eine persönliche Ebene gehen und vielleicht noch irgendwelche alten Differenzen, von denen ich als noch nicht so altes Mitglied keine Ahnung habe, mithineinziehen.

  • Schwierige Frage.

    Grundsätzlich habe ich natürlich gerne recht :D . Wenn ich nun in meiner Euphorie reale Kritikpunkte überhört habe, nehme ich das schon zum Anlass, meine Meinung noch mal zu überdenken. Das ging mir z. B. mit den Hörspielen zu 'The Walking Dead' so. Die hatten mir (im Gegensatz zu vielen anderen) ausgesprochen gut gefallen und ich hatte auch die Produktion als hochwertig gelobt. Bis mir ein anderes Forumsmitglied dann hier vor Augen geführt hat, dass die Produktion so ihre Macken hat (ich glaube, die Anschlüsse waren durch die Übersetzung aus dem Polnischen ins Deutsche nicht sauber und als unwillkommene Pausen zu hören). Das war also eine Fehleinschätzung von mir und die kann ich dann auch problemlos zugeben. Und da gibt es sicherlich noch ein paar objektive Kriterien mehr, über die man nicht groß streiten kann.

    'Problematisch' wird es bei Faktoren wie Musik, Dialoge, Erzählparts, Spannungsbogen, Soundeffekte, Sprecherleistungen, etc. Da spielt der persönliche Geschmack natürlich eine Rolle. Aktuelles Beispiel: Ich finde Wolfgang Pampel in 'Lovecraft - Chroniken des Grauens' wirklich grandios, andere erleben ihn als uninspiriert und gelangweilt. Hier finde ich es meistens nur interessant, wie unterschiedlich man Hörspiele aufnehmen kann. Aber manchmal ärgert es mich auch, wenn ich das Gefühl habe, dass einer Produktion Unrecht getan wird. Oder wenn ich es so empfinde, dass ein mittelprächtiges Werk mit Absicht hochgejubelt wird. Im Grundsatz aber: Jeder so, wie er es fühlt. Ich bemühe mich, das nicht allzu wichtig zu nehmen.

    Nicht jeder Verkannte ist ein Genie. (Walter Moers)

    Edited once, last by Stollentroll (February 28, 2020 at 6:36 PM).

  • Das hat bei mir zwei Aspekte:

    Finde ich ein Hörspiel gut und ein anderer findet das doof, ist mir das eigentlich egal. Davon lasse ich mir meine Freude nicht vermiesen.

    Finde ich selber ein Hörspiel doof, kann ich mit der positiven Meinung anderer darüber auch absolut leben. Vielleicht schüttele ich innerlich den Kopf oder setze noch mal nach, indem ich auf -aus meiner Sicht- Schwachpunkte des Hörspiels hinweise. Aber warum soll man jemandem etwas mies machen, was ihm Freude bereitet?

  • ...Sprecherleistungen, etc. Da spielt der persönliche Geschmack natürlich eine Rolle. Aktuelles Beispiel: Ich finde Wolfgang Pampel in 'Lovecraft - Chroniken des Grauens' wirklich grandios, andere erleben ihn als uninspiriert und gelangweilt. Hier finde ich es meistens nur interessant, wie unterschiedlich man Hörspiele aufnehmen kann.


    Zu Pampels Vortrag in den Chroniken habe ich tatsächlich noch gar nichts Negatives gehört, war das nicht vielmehr so, dass ein paar Talker ihn in früheren Produktionen kritisch sahen und deshalb haderten, ob die neue Lovecraft-Reihe überhaupt etwas für sie wäre? Mich würde ja nun sehr interessieren, ob jemand aus diesem Kreise letztendlich Pampels Leistung hier doch anerkennen würde. Dafür wäre es mir fast wert, eine CD zu spendieren ^^ .

    So gehe ich also (kurzgefasst) damit um - im Gespräch bleiben und neugierig auf die Einschätzungen anderer sein. Denn prinzipiell interessiert mich bei einem Lieblingshörspiel dann doch nahezu alles! Doch alles muss man sich natürlich auch nicht zu Gemüte führen. Überzeugen möchte ich ohnehin niemanden, dazu ist das Hörspielhören ein viel zu subjektives Erlebnis. Aber es täte mir leid, wenn jemand, dem es gefallen könnte, es vielleicht nie hört! Das würde ich dann doch gern verhindern wollen. Ich will teilen <3 . Schließlich geht es um mein Lieblingshörspiel, oder? ;)

    Plattenspieler ausmotten: Es gibt wieder neue Hörspiele auf Vinyl! Juhu, die Hörspielwelt wird wieder eine Scheibe! 8o

    Edited once, last by Rudolf Platte (February 28, 2020 at 10:20 PM).

  • Mich stört es absolut nicht, wenn jemand eine andere Meinung hat als ich. Ich lese Kritiken oder anders lautende Meinungen sogar sehr gerne. Meistens höre ich dann das Hörspiel nochmal mit dieser Meinung im Hinterkopf, ob ich das Gesagte hier nachvollziehen kann. Manchmal bringt es einen auch dazu, mal eine andere Sichtweise auf das Hörspiel zu haben. Und wenn ich immer noch so begeistert bin und die Kritik nicht teile, kann ich die Meinung trotzdem so stehen lassen und das Hörspiel einfach weiter klasse finden.

    Wenn einfach nur ohne Begründung alles schlecht geredet wird, nehme ich die Kritiken gar nicht erst ernst und es ist mir egal. Lese da dann einfach drüber hinweg.

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    Ich bin heute so farbenfroh, ich habe fünf verschiedene Schwarztöne an.

  • Kommt immer darauf an, wie die Kritik rübergebracht wird. Ich habe da in Prinzip keine Probleme mit. Schwierig wird es für mich erst, wenn die Bekehrungskiste ins Spiel gebracht wird, oder einem vielleicht sogar die Kompetenz abgesprochen wird.

  • @Rudolf Platte Da könnte glatt ich mit gemeint gewesen sein. Und ja, es ging um frühere Produktionen, in denen ich Pampel sehr uninspiriert fand, um das höflich auszudrücken. Über die neue Reihe, sprich Folge 1, kann ich nichts sagen, weil nicht gehört. :)


    Eins und eins ist zwei - von London bis Shanghai!

    Edited once, last by gruenspatz (March 1, 2020 at 4:51 PM).

  • Und ja, es ging um frühere Produktionen, in denen ich Pampel sehr uninspiriert fand, um das höflich auszudrücken.


    Dafür fand ich den hochgelobten Plamper immer total überschätzt 8)

    “Life can't just be about solving one miserable problem after another, that can't be the only thing, they need to be things that inspire you and that make you glad to wake up in the morning and be part of humanity”

  • Ich muss zugeben, dass ich mit Kritik an Hörspielen und/oder Labels, die ich wirklich sehr mag, nicht ganz so locker fertig werden und drüber stehe. Wenn es eine gewisse Verbundenheit mit dem Werk oder Macher gibt, dann schmerzt es schon ein klein wenig. Und in mir ist der Drang da sofort eine Gegenmeinung zu schreiben. Wobei es natürlich immer darauf ankommt wie eine Kritik formuliert ist. Auf Pöbelkritiker reagiere ich allergisch. Davon haben und hatten wir ja einige in der Szene. Manche haben sich daraus ja sogar einen Spaß draus gemacht. Auf sachliche, höfliche und auch konstruktive Kritik reagiere ich da deutlich entspannter. Da komme ich auch das eine oder andere Mal durchaus zum Schluss, dass sie ja wirklich berechtigt ist bzw. erweitert sie meinen persönlichen Horizont. Manchmal spielt ja auch die Wertigkeit eine Rolle. Etwas was mir wichtig ist, ist der betreffenden Person unwichtig und umgekehrt. Da ist es dann auch ganz klar, dass ein Hörspiel oder ein Hörspiellabel ganz unterschiedlich erlebt wird.

    Mit ein wenig ausatmen, nachdenken und in die andere Person hinein versetzen, wirkt dann eine Kritik meistens gar nicht mehr so schlimm und ich kann meistens damit dann doch ganz gut leben.

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Bei meinen Lieblingsserien (und auch Filmen und Serien) kommt bei mir oftmals Unverständnis auf, wenn andere die Sachen nicht so mögen. Aber ich möchte niemandem meine Meinung und meinen Geschmack aufdrängen und gehe Diskussionen meist aus dem Weg - Geschmäcker sind nun mal (oder auch Gott sei Dank) verschieden.

    Wenn die Person ihre Meinung sachlich und dediziert darlegen kann, dann ist auch alles OK für mich - gerade bei älteren Sachen kommt bei mir oft der Nostalgiefaktor hinzu, dass ist mir mittlerweile bewusst. "Kritiken" a la "das ist sch****" ignoriere ich einfach - für Diskussionen auf dem Niveau ist mir meine Zeit zu schade.

    Mein Name ist Dorian Hunter, und ich bin der Sohn des Teufels. Ich war der Sohn des Teufels, denn ich habe ihn getötet! :evil:

  • Grundsätzlich habe ich meine Meinung!
    Und was mir gefällt und ich liebe, das verteidige ich auch!
    Ich lass natürlich auch andere Meinungen zu.
    Aber Dinge wie " wieder absolute Scheiße!", " macht endlich Schluss" kann ich nicht respektieren.
    Liest man aber besonders bei amazon oft.

  • Die Verbundenheit zu einem Label darf für mich aber nicht so weit gehen, dass ich auf Kritiker, die ihre Meinung und Unverständnis auch erklären, reagiere in dem ich nicht auf die eigentliche Kritik selbst eingehe sondern nur auf den Kritiker in dem ich ihn als lächerlich oder nicht ernst zunehmend darstelle. Letzteres ist für mich dann ein Zeichen dafür, dass man keine Argumente gegen die Kritik selbst aufbringen kann.

    Labels schaffen es mit ihren Werken, Taten und mit Herzblut Menschen für sich zu gewinnen. Solche Fans sind enorm wichtig. Nicht nur für die Szene selbst sondern besonders für die Branche. Jede Kritik an TSB, um mich selbst als Beispiel zu nehmen, sind kleine Dolchstöße für mich. Zu viel habe ich gemeinsam mit TSB Fans, mit Frau Braun und deren Hörspielen erleben dürfen. Hier gibt es eine innige Verbundenheit, die weit über das Hören von Geschichten hinaus geht. Von daher habe ich stets Verständnis für Fans über, denen jedwede Kritik an ihres Lieblingslabel weh tut. Aber aus meiner Sicht gibt es hier auch Grenzen, die man beim Erwidern solcher Kritiken nicht überschreiten sollte.

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Natürlich ist alles Geschmacksache, ich ärgere mich nur sehr über Kritikerhaltungen mit Absolutheitsanspruch. Ich finde gerade die etwas schwerere oder anspruchsvollere Kost, die ich persönlich sehr liebe, ist häufig Ziel von Laien-Kritikern, die sich einfach nicht vorstellen können, dass auch im Hörspielbereich nicht jeder immer nur "Easy-Listening" bevorzugt. In der Kritik heißt es dann "einfach nur schlecht!" ohne dass man (außer man kennt das Hörspiel) die besondere Erwartungshaltung des Rezensenten nach leichter Kost einschätzen kann. Nun gibt es bei Amazon ja z.B. die Möglichkeit, die Kommentarfuktion zu der Rezi zu nutzen. Wenn ich aber sehe, was dabei in anderen Fällen herauskommt, ist mir das zu blöd da differenzierend was zu zu schreiben... es führt meistens immer noch zu noch schärferen, noch ungerechteren Antworten. Besser man lässt sowas einfach stehen!

    Plattenspieler ausmotten: Es gibt wieder neue Hörspiele auf Vinyl! Juhu, die Hörspielwelt wird wieder eine Scheibe! 8o

  • Schön geschrieben @Rudolf Platte! Mich als Fan ärgern immer Meinungen die als allgemein gültiger Ist-Zustand hingestellt werden über den man nicht zu diskutieren braucht, sprich wenn der „Kritiker“ es als absolut genial oder als vollkommenen Rotz tituliert, dann gilt dies über alle Hörer hinweg. Dann macht sich jemand meiner Meinung nach zu groß und wichtig, denn letztenendes ist es eine Meinung, seine Meinung nicht mehr und nicht weniger. Einheitsmeinungen und schreibend Götter deren Urteil für alle gelten muss, gibt es nicht!

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Wenn ich manchmal vielleicht auch meiner absoluten Begeisterung Ausdruck gebe, dann ist der Schaden der entsteht m.E. aber ungleich geringer, denn im schlimmsten Fall hört sich dann das auch mal jemand an, der es sonst nicht gehört hätte, und dem es nicht gefällt (was ich natürlich nicht hoffe, aber derjenige hat sich dann zumindest eine eigene Meinung bilden können).

    Lasse ich jedoch undifferenziert meiner absoluten Ablehnung freien Lauf, werden sicherlich viele, denen das Hörspiel gefallen könnte, davon abgehalten, es auszuprobieren und werden nie ein eigenes Urteil fällen können. Das finde ich viel schlimmer.

    Nun sind wir nicht alle Rezensionsgenies wie Poldi oder Gruenspatz... bei deren Rezis kann man schon gut rauslesen, ob etwas auf den eigenen persönlichen Geschmack zutreffen könnte - die raten nie generell von etwas ab; aber auch Du @Markus G. bist immer differenziert genug, dass man seine eigenen Präferenzen in Deiner Meinung spiegeln kann - das finde ich macht faire Bewertung von Hörspielen auch aus!

    Plattenspieler ausmotten: Es gibt wieder neue Hörspiele auf Vinyl! Juhu, die Hörspielwelt wird wieder eine Scheibe! 8o

  • Lasse ich jedoch undifferenziert meiner absoluten Ablehnung freien Lauf, werden sicherlich viele, denen das Hörspiel gefallen könnte, davon abgehalten, es auszuprobieren und werden nie ein eigenes Urteil fällen können. Das finde ich viel schlimmer.


    Glaube ich nicht, letztlich wollen die Hörer schon selbst hören, was Sache ist. Außer es heißt" Ohjeohje, das ist superanstrengende Kunst ohne Unterhaltungswert, bei der der Autor null Rücksicht auf das Publikum nimmt". Dann schreckt das wirklich ab, so wie bei "Das Schwyzerdütsch ist leider für alle, die nicht aus dem Südwesten Deutschlands oder Vorarlberg kommen, komplett unverständlich". Ja, dann hake ich es auch ungehört ab.

    Wenn ein Autor aber wirklich Mist schreibt, der keinen Sinn ergibt, dann sollte man auch sagen "Das ist totaler Mist, der keinen Sinn ergibt" und nicht "ja, das und das ist aber gar nicht schlecht", es geht ja um Hörspiele von vermeintlichen Profis und nicht um Kinderzeichnungen ;)

    Aber ich hab da natürlich auch so meine Probleme "tacheless zu reden", wenn es sich um Autoren und Forumskollegen handelt, die mal richtig daneben gegriffen haben. Aber dann bin ich im Zweifel lieber still und versuche nicht, irgendetwas positives aus den Fingern zu saugen, was es nicht gibt.

    “Life can't just be about solving one miserable problem after another, that can't be the only thing, they need to be things that inspire you and that make you glad to wake up in the morning and be part of humanity”

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