Ghosts of Mars
Ghosts of Mars ist für mich einer dieser John-Carpenter-Filme, bei denen man ziemlich schnell merkt, dass man hier keinen besonders tiefgründigen Science-Fiction-Film erwarten sollte. Stattdessen bekommt man eine ziemlich wilde Mischung aus Horror, Action, Western und Belagerungsfilm. Das Ergebnis ist sicherlich nicht Carpenter auf dem Höhepunkt seines Schaffens, aber wesentlich unterhaltsamer, als sein schlechter Ruf vermuten lässt.
Die Handlung spielt im Jahr 2176 auf einem weitgehend terraformten Mars. Lieutenant Melanie Ballard soll gemeinsam mit einer kleinen Polizeieinheit den gefährlichen Gefangenen James „Desolation“ Williams aus der abgelegenen Bergbausiedlung Shining Canyon abholen. Dort angekommen ist allerdings fast die gesamte Bevölkerung verschwunden. Schon die ersten Erkundungen machen deutlich, dass hier etwas ziemlich Grauenhaftes passiert sein muss.
Hinter dem Ganzen stecken die Geister der ursprünglichen Marsbewohner, die durch Bergbauarbeiten aus einer unterirdischen Anlage freigesetzt wurden. Sie übernehmen menschliche Körper und verwandeln ihre Opfer in aggressive, verstümmelte Krieger. Das gefällt mir als Grundidee ausgesprochen gut, zumal das Töten eines Besessenen das eigentliche Problem nicht löst: Der Geist verlässt einfach den Körper und sucht sich einen neuen Wirt.
Natasha Henstridge funktioniert für mich als Melanie Ballard sehr gut und trägt einen großen Teil des Films. Ice Cube gibt als Desolation Williams den coolen Einzelgänger, während Jason Statham hier noch einige Jahre vor seinem großen Durchbruch zu sehen ist. Die Figuren bleiben insgesamt recht einfach gestrickt, passen aber zu dieser geradlinigen Geschichte. Carpenter interessiert sich ohnehin deutlich mehr für die Situation, in der sie stecken, als für große Charakterentwicklungen.
Besonders deutlich erinnert mich Ghosts of Mars an Carpenters eigenen Assault on Precinct 13. Wieder sitzt eine kleine Gruppe an einem abgelegenen Ort fest und muss sich gegen eine zahlenmäßig weit überlegene Horde verteidigen. Nur wurde das Ganze diesmal auf den Mars verlegt und mit übernatürlichem Horror verbunden. Dazu kommt eine gehörige Portion Westernatmosphäre, wodurch der Film eine ziemlich ungewöhnliche Mischung entwickelt.
Optisch muss man allerdings einige Abstriche machen. Die Marslandschaften und manche Kulissen sehen nicht gerade nach einem Budget von 28 Millionen Dollar aus, und auch die Besessenen wirken teilweise eher wie eine wilde Metal-Band als wie wirklich furchteinflößende Kreaturen. Dafür gibt es reichlich handgemachte Action, Explosionen und einige ziemlich blutige Momente. Der kräftige Metal-Soundtrack von Carpenter, Anthrax, Steve Vai, Buckethead und weiteren Musikern passt hervorragend zu diesem überdrehten Stil.
Die verschachtelte Erzählweise mit mehreren Rückblenden ist manchmal unnötig kompliziert, obwohl die eigentliche Geschichte ausgesprochen simpel ist. Wirkliche Spannung oder Grusel entstehen ebenfalls nur selten. Dafür hat der Film ein ordentliches Tempo und spätestens wenn sich Polizisten und Gefangene gemeinsam gegen die Besessenen zur Wehr setzen müssen, entwickelt das Ganze einen angenehm kompromisslosen B-Movie-Charakter.
Für mich ist Ghosts of Mars sicherlich keiner der großen Carpenter-Klassiker, aber auch längst nicht die Katastrophe, als die der Film häufig dargestellt wird. Man muss sich auf diese Mischung aus Mars-Western, Zombie-Horror und brachialer Action einlassen können. Wer Carpenter mag und ein Faible für etwas trashige Science-Fiction-Horrorfilme hat, kann damit durchaus seinen Spaß haben. Gerade dieser eigenwillige Stil macht den Film für mich heute sogar interessanter als viele glattgebügelte Genreproduktionen.