Zielpublikum - Werden Hörspiele für eine Zielgruppe gemacht?

  • Ich habe @MikeFord s Beitrag in einem anderen thread gelesen

    Quote

    Für welche Altersgruppe ist denn dieses Hörspiel gedacht? Für mich klingt das wie 70plus.

    Glaubt ihr werden Hörspiele dezidiert für ein Zielpublikum bzw. Zielgruppe gemacht? Wenn Ja welche Zielgruppen könnt ihr ausmachen, für die es sich lohnen würde Hörspiele zu schreiben? Oder werden Hörspiele für die Masse gemacht und versucht möglichst viele Menschen für ein Hörspiel zu begeistern?

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Also die Frage könntest Du Dir vermutlich selbst beantworten.
    Ganz klar werden Hörspiele für bestimmte Zielgruppen gemacht.

    Ganz grob für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

    Und dann könnte man die Zielgruppen noch Genre-technisch untergliedern, wenn man denn mag.

    Hörspiele für die, die gerne Grusel hören
    Hörspiele für die, die gerne Krimis hören
    Hörspiele für die, die gerne Sci-Fi hören
    Hörspiele für die, die etc. etc. ...

    :)

  • @Telliminator Ganz klar, man kann natürlich Genre hernehmen und Hörspiele für bestimmte Genreliebhaber machen und dies auch als Zielgruppe definieren. Aber sind dies die einzigen sinnvollen Zielgruppen, die man bedienen möchte und kann? Welche Zielgruppe wolltet ihr mit eurer Hörspielserie anfixen? Habt ihr da nur an SF-Fans gedacht? Oder habt ihr da anders gedacht? Wenn Ja, ist euer Plan aufgegangen und hat jene Zielgruppe für die ihr die Hörspiele gemacht habt, auch gehört?

    Ich finde da ergeben sich doch sehr interessante Fragestellungen. Welche Bedeutung hat das Alter des Hörspielhörers? Welche Bedeutung hat das Geschlecht? Wie kann man bestimmte Zielgruppen perfekt ansprechen. Und damit meine ich jetzt nicht nur durch den Inhalt des Hörspiels sondern auch durch Werbung, Cover, etc.?

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • @Markus G.

    Also wir haben TimeShift eigentlich zunächst nur für uns selbst gemacht. Private Produktion halt. Jeder von uns hatte damals eine CD und die wurde natürlich bei Bekannten gezeigt vorgespielt usw. Einige Leute wollten, dass dann auch haben und für jeden ne CD zu brennen hat man zwar im Kleinen gemacht, aber wenn das so ankommt warum nicht mal mit dem Internet probieren? Blackdays hat doch nen Server im Internet, vielleicht mögen es auch andere Leute hören, stellen wir es kostenlos zum Download ins Netz. So geschehen und getan, Webseite gebaut und erst mal im eigenen Kreis informiert, dass es "jetzt" online ist. Da gab es die ersten Downloads von Leuten die uns kennen, quasi via Facebook und Co und so trug es weiter. Meinereiner hat dann in diversen Foren "Bescheid" gegeben, dass es bei uns Neues gratis zum Hören gibt. Davon haben diverse kostenlos Portale irgendwie Wind bekommen und darüber berichtet. Der erster Serverchrash, verursacht durch über 800 parallele Zugriffe pro Stunde auf das File. Blackdays war gezwungen den Provider zu wechseln, weil wir die Bandbreite gefressen haben und als Belohnung wurde die Leitung dicht gemacht und der Zugriff zum Server auf 100kbit begrenzt. Es war zum Kotzen, hunderte Leute die es laden wollten und die Eierköppe legten uns den Server lahm. Einige Leute, die es doch geschafft hatten einen Download von Teil 1 herunter zu laden und angehört haben, haben ihrerseits dann auch darüber geschrieben und so ging das weiter und weiter.

    TimeShift ist nicht unbedingt für Kinder gedacht, sondern eher was für Jugendliche und Ältere. Jüngere Kinder haben es aber auch schon gehört. Ich erinnere mich da an eine Mail, da hat uns ein Vater gedankt und berichtet, dass er seine Kinder noch nie so ruhig und gebannt zuhören erlebt hat, als er Ihnen das Hörspiel von uns vorgespielt hat. Er hätte es selber hören sollen, haben wir ihm erklärt, aber Hörspiel ist wohl immer noch gedanklich bei vielen da draußen, als was für Kinder, stigmatisiert. TimeShift ist also nicht für eine spezielle Zielgruppe gedacht, sondern eigentlich für jeden, der Hörspiele mag. Das Alter der Hörer spielte für uns überhaupt keine Rolle, wir wissen auch nicht aus welchen Grund jemand Timeshift gerne gehört hat, wir wissen zwar es gibt weibliche wie auch männliche Hörer, aber wir können nicht wirklich erahnen welche Genre-Vorlieben die Hörer haben. Wir haben diesbezüglich 0 Daten abgefragt oder gespeichert. (DSGVO sei Dank).

    Wenn man es einschränken würde, vielleicht für Leute die Geschichten mit Zeitreisen mögen, wenn man es Genre-Mäßig in eine Schublade stecken wollte wäre es wohl Science-Fiction im weitesten Sinne - aber TimeShift ist mehr, es passt nicht in eine große Schublade, es bedient sich an vielerlei Klischees, hat vor allem Humor. Es gibt Außerirdische, Killer, Polizei, Russen, Amerikaner, Armee, nervende Charaktere, großartige Stimmen, Laiensprecher, eine unerwartete Soundkulisse, Action, Spannung, eine stark verwobene Story über alle 8 Episoden hinweg. Und obendrein ist es auch noch völlig gratis. Also wenn das kein Anreiz ist mal rein zuhören, weiß ich´s auch nicht. Wer es noch nicht kennt unbedingt runterladen oder auch sofort auf der Webseite reinhören. ^^

    Bei anderen Produktionen, wo wir mitgewirkt haben, war eigentlich auch nie von einer Zielgruppe die Rede für das das Hörspiel produziert werden soll. Es ging für uns dabei mehr um den Spaß an der Sache, die Geschichte umzusetzen. Aber die Hörspiele sind dann auch irgendwie Genretechnisch einsortiert worden. Bei "Die Angst in Dir", war definitiv von vorne herein klar, das ist nix für Kinder, sondern was für Personen 16+ bzw. 18+.

    Wie man die Zielgruppe perfekt ansprechen kann ist wohl letztlich ganz einfach. Man müsste es nur auf das Cover drauf schreiben, z.B. "Nur für Erwachsene" oder "+18" oder "Für kinder ab 3 Jahren"... usw. etc. Grafisch kann man natürlich gestalterisch über das Cover Aufmerksamkeit für seine Zielgruppe werben, ein cooles Raumschiff und Weltall Hintergrund für Sci-Fi-Abenteuer... unsere Timeshift-Cover sind ein wenig Abstrakt, aber mit Absicht, weil sie immer einen Bezug zur Story haben. Sie dienten nicht dafür irgendwelche Zielgruppen anzulocken, sondern mussten einfach nur cool aussehen. :)

  • Tolles Posting, #danke# Das gehört eigentlich schon in ein eigenes Thema verschoben über euren Werdegang! Auf jeden Fall sehr interessant und lesenswert!!!

    Ich glaube nämlich auch, dass sehr viele Label und Hörspielmachern so an die Sache gehen und bei der Produktion an keine besondere Zielgruppe denken. Ob dass jetzt richtig oder falsch ist, kann ich gar nicht sagen. Wahrscheinlich kann man sich als Hörspielmacher, der viele Hörspiele an Frau und Mann bringen möchte, gar nicht leisten auf eine spezielle Zielgruppe hinzu arbeiten? Oder???

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Altes Thema trotzdem aktuelle.

    Für wen werden die Drei ??? und TKKG gemacht? Es gibt da sicher eine breite Zielgruppe und alle unter einen Hut zu bekommen ist schwer.
    Beispiel - Folge 214 - der Geisterbunker.

    @Mittagshoerer schreibt das es Kindern nicht vorkommt wie Erpressung, @Markus G. schreibt Tauschhandel.

    Es ist schwer eine Serie Generationen übergreifend zu gestallten darum wurden sicher auch die Kids und Junior Folgen produziert.
    Die Serien gibt es seit über 40 Jahren und viele sind damit aufgewachsen das macht es schwer für die Produzenten.

    Alles in allem muss ich sagen dass beide Serien mir nach wie vor gut gefallen, mal besser mal schlechter, und ich damit leben kann, und muss, das mich nicht alle Folgen komplett ansprechen, das wäre zu viel verlangt.
    Ich habe das sicher mal anders gesehen, denke aber das Frau Körting und das Team um sie herum einen fantastischen Job machen. #imho#

    So long

    grifter

  • Ich würde mal sagen dass die ??? mit Abstrichen doch noch jene Serie ist, die am ehesten Alt und Jung ansprechen könnte.

    Ich denke doch, dass die meisten Labels natürlich versuchen so viele Hörspielfans wie möglich mitzunehmen. Vielleicht auch mit ein Grund, dass viele von einem Einheitsbrei sprechen. Trotzdem gibt es sicherlich im Krimi-, Grusel- und Jugendhörspielbereich eine gewisse Klientel bzw. Zielgruppe, die man besonders ansprechen möchte. Aber gerade in diesem Bereich gibt es sehr viel Konkurrenz. Da kann die entsprechende Zielgruppe auswählen.

    Auf der anderen Seite gibt es im Fantasy-, SF- oder Westernbereich eine kleinere Zielgruppe, dafür weniger Konkurrenz. Wenn wir ehrlich sind, greift ein SF-Fan wahrscheinlich zu fast jedem Produkt dieses Genres. Da ist die Auswahl sehr klein. Und in manchen Fällen wie zum Beispiel bei Giallo- oder Italo-Western bietet man den Hörern ein für Hörspielfans Neues „Genre“ an, in der Hoffnung dass sich auf Grund mangelnder Konkurrenz eine neue Zielgruppe bzw. eine Zielgruppe rund um TV- und Kinofilmfans bildet.

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Warum es die DDF Kids und TKKG Junior gibt hat einen ganz simplen Grund:
    Es ist nicht unbedingt so, dass die Hauptserien für Ältere gedacht sind.

    Wenn ich als Produktmanager die Marke ausbauen will und mir die Frage stelle, ob ich die Figuren altern lasse, oder verjünge, dann komme ich automatisch auf das Ergebnis der Verjüngung. Alternative wäre, die Figuren ihre Abenteuer erzählen zu lassen. Wie z.B. bei der Reihe „Bibi Blocksberg erzählt…“. Mehr bietet sich nicht an. Vielleicht noch Hörbücher, aber das ist ja dann eine andere Produktkategorie, wo die Zielgruppe womöglich auch nicht älter ist als bei der Hauptserie. Es KANN eigentlich nur jünger werden wie auch bei Benjamin Blümchen MINIS.

    ...ja, ich bin ja schon ruhig! ;)

  • Ich glaube schon, dass Hörspiele in den meisten Fällen mit einer klaren Zielgruppe im Hinterkopf produziert werden. Das beginnt schon bei den klassischen Kinderhörspielen, die seit Jahrzehnten einen festen Platz haben – von Märchenadaptionen über Serien wie Benjamin Blümchen, Bibi Blocksberg oder Die drei ??? Kids. Hier ist die Zielgruppe eindeutig: Kinder zwischen vier und zwölf Jahren, mit jeweils unterschiedlichen Altersabstufungen.

    Daneben gibt es aber auch ganz gezielt Hörspiele für Jugendliche und Erwachsene. Krimiserien wie TKKG oder Die drei ??? haben ursprünglich jüngere Hörer angesprochen, sind aber längst zu generationsübergreifenden Klassikern geworden, die heute sowohl Kinder als auch Erwachsene hören. Thriller-Reihen, historische Stoffe oder auch Gruselserien richten sich klar an ein erwachsenes Publikum, das eher komplexe Handlungen, düstere Stimmungen oder anspruchsvollere Themen sucht. Auch im Fantasy-Bereich – man denke an Adaptionen wie Die Chroniken von Narnia oder Der Herr der Ringe – spricht man ganz bewusst eine Zielgruppe an, die mit epischen Stoffen und langen Handlungsbögen etwas anfangen kann.

    Spannend ist, dass es neben diesen klar definierten Zielgruppen auch Hörspiele gibt, die eher für die „breite Masse“ gedacht sind. Serien wie Die drei ??? oder John Sinclair versuchen, so viele Hörer wie möglich mitzunehmen, indem sie einerseits leicht zugänglich sind, andererseits aber auch genug Tiefe haben, um treue Fans zu binden. Diese Mischung aus Massentauglichkeit und spezifischem Genre-Charakter macht wahrscheinlich auch ihren langfristigen Erfolg aus.

    Wenn ich überlege, für welche Zielgruppen es sich in Zukunft lohnen würde, Hörspiele zu schreiben, dann sehe ich neben Kindern und Krimifans vor allem zwei Bereiche: zum einen junge Erwachsene, die mit Podcasts aufgewachsen sind und daher offen für dialoggetragene, erzählerische Formate sind – hier könnte man innovative, moderne Hörspiele entwickeln, die thematisch nah an deren Lebenswelt sind. Zum anderen ältere Hörer, die vielleicht nicht mehr so viel lesen, aber Freude an Geschichten haben und Hörspiele als zugängliche Form des Erzählens schätzen könnten.

    Unterm Strich würde ich sagen: Ja, Hörspiele entstehen meist für klar umrissene Zielgruppen. Die Kunst besteht aber darin, so zu erzählen, dass man auch über diese hinaus Menschen begeistern kann. Manche Reihen sind deshalb erfolgreich, weil sie einerseits präzise für ein Publikum geschrieben sind, andererseits aber auch den Sprung zur Masse schaffen.

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