Wie kommen die Geräusche in das Hörspiel?

  • Auf Instagram habe ich folgende Anfrage bekommen:

    Quote

    Moin! Hast du einen Tipp für mich für das Geräusch von alten knarrenden Türen?

    Welche Tipps könnt ihr diesbezüglich geben?

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Die Frage versteh ich nicht ganz. Benötigst du diesen Effekt für ein Projekt?
    Ich würde einfach in ein paar Hörspiele von Europa aus den 70/80 ern nachhören, da war dieses Geräusch der knarrenden Tür in jedem 3. Hörspiel zu vernehmen.

    Ich kann auch mal auf meiner alten Sound-LP nachschauen, ob da eine knarrende Tür dabei ist.

    The Jokes on you!

  • @Evil Meinst Du ich soll dem Instagramfragesteller Deine Frage mitteilen? Ich selbst weiß es nicht wofür er es braucht. Hat er mir nicht geschrieben. Derjenige macht ab und an Hörspiele, so wie dieses:

      

    Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

      

    Ein Beitrag geteilt von Dietmar Traulsen (@dietmartraulsen)

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Quote

    Meinst Du ich soll dem Instagramfragesteller Deine Frage mitteilen?


    Öhm... Keine Ahnung. Ich halt mich da lieber heraus. :|

    Das Cover sieht toll aus, der Titel klingt irgendwie bescheuert. X/
    Oder soll es Comedy sein???

    The Jokes on you!

  • Naja, es ist Satire. Aber um das Hörspiel selbst ging es gar nicht. Er hat dem Hörspieltalk auf Instagram einfach die Frage gestellt wie man eine knarrende Türe am besten akustisch darstellt.

    Ich hab ihm gesagt ich frage unsere Schwarmintelligenz hier. Hab ihm aber erzählt wie ich es damals als 10-Jähriger in meinem Hörspiel gemacht hatte. Mit einem Korken in einer Weinflasche, den ich langsam gedreht habe. Klang verblüffend ähnlich einer Türe. Tonstudio Braun hatte dafür natürlich eine eigene Türe im Studio, die geknarrt hat :thumbup:

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Quote

    Ich hab ihm gesagt ich frage unsere Schwarmintelligenz hier.


    Geil! :thumbup:

    Würde da rechtlich etwas passieren, wenn er jetzt das knarrende Türgeräusch aus einem 40 jahrealten Europa-Hörspiel verwendet???

    The Jokes on you!

  • Auch ein älterer Thread bei dem uns vielleicht unsere diversen Hörspielmacher und Kreativen allen voran Eric Onder de Linden vielleicht ein bisserl was aus dem Nähkästchen zu erzählen haben?! Wäre interessant :)

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Ein bisserl aus meinem Nähkästchen zu "Krieg der Sterne- Der Zorn des Imperiums", in welcher ich als Autor und Produzent, auch sämtliche Geräusche und Musik in Eigenproduktion machen musste.

    Die Produktion des Hörspiels stellte mich vor einige besondere Herausforderungen.

    Es verbot sich einerseits praktisch von selbst, originalen Sound und musikalischen Content aus dem Star Wars Universum zu verwenden, als dass ich als Musiker und Soundtüftler auch unbedingt meine eigenen "Sound-Alikes" für das Hörspiel erschaffen wollte.
    Andererseits sind im frei austobenden Gegensatz zu völlig neuen Welten mit ganz eigenen Soundgeschichten, die Star Wars-Sounds so prägnant wie berühmt, so dass meine Repliken dem hohen Wiedererkennungswert entsprechen mussten- und den Originalen zwar möglichst ähnlich, aber nicht identisch sein durften.

    Die eigentliche Herausforderung bestand explizit darin, mit welchen Wegen und Mitteln ich jene Sounds herstellen könnte, welche der legendäre Sounddesigner Ben Burtt vor schon gut 50 Jahren für Star Wars anfertigte ?
    Ich denke, heute ist es z.B. aus Sicht staatlicher Sicherheitsbedenken doch etwas problematischer, z.B. mit einem Hammer auf Spanndrähte von Strommasten zu schlagen, um z.B. Blastersounds zu erzeugen... so musste ich also andere Wege beschreiten, um meine Sounds zu machen !

    Am meisten Kopfschmerzen bereitete mir die Frage, wie ich vor allem dem im Hörspiel mitwirkenden Wookie Horrkon realisieren könnte ?
    Es gibt verschiedene Softwarelösungen, welche ich für z.B. Monsterstimmen und anderes animalisches verwende.
    Allerdings ließen sich mit der Software keine wirklich zufriedenstellenden Wookie-Laute realisieren, die im Original aus Mixturen aus Aufnahmen von u.a. Bären und anderen Wildtieren erzeugt wurden.

    Eine andere Möglichkeit wäre gewesen, unseren schweren Küchentisch über den Fliesenboden zu ziehen, um ein paar ganz typische wie sehr authentische "Wookie-Brüller" zu erzeugen... allerdings hätte mich meine Frau dann auch angebrüllt- und dies weit weit gefährlicher als ein wütender Wookie, wenn ich nur einen Kratzer im Küchenboden verursachen würde, weswegen auch diese Möglichkeit des Soundbastelns belassend, sogleich regelrecht unter den Tisch fiel.

    WOOKIE AUS DER DOSE
    Die Wahl fiel schließlich auf eine leicht zerdrückte wie leere Getränkedose.
    Der limitierte Korpus und insbesondere das Blech, erzeugten die scheppernd vibrierenden Resonanzen beim Hineingröhlen, welche so typisch für das knurrige Grummeln eines Wookies sind.

    Schlussendlich gelang es mir somit, den Wookie Horrkon zu erzeugen und dieses Werkzeug ein probates wie schnelles Mittel war, um natürlich klingend tierische Laute ganz ohne Software zu generieren.

    (Aus Gründen der Verletzungsgefahr und verschluckbaren Teilen, möchte ich allerdings nicht näher auf die verwendete Praktik des "Wookie aus der Dose" eingehen).

    Die Aufnahmen klangen schon so authentisch, dass eine weitere trickreiche Bearbeitung im Audioeditor nicht notwendig war.
    Für ergänzendes "Wookie-Gebrüll", setzte ich aber auch beimischend Aufnahmen von Tieren ein, insbesondere von einem Löwen.

    PIPE PIEP
    D7, der kleine Droiden-Schlingel, wurde mit einem Synthesizer erstellt.
    Während Ben Burtt für die Sounds des R2D2 einen echten (wie heute seltenen) ARP2600 Synthesizer verwendete, nutzte ich einen digitalen Klon (Arturia ARP2600), mit jedoch ähnlichen Patches.
    Aus dem modulierten Random-Gepiepse wurden schließlich nach der Aufnahme jene Sequenzen und Piepser im Audioeditor herausgeschnitten und in einem Sampler mit den typischen Soundabfolgen zusammengestellt.

    Das surrende Antriebsgeräusch des Droiden stammt von einem Shiatsu Nackenmassagegerät.
    Tatsächlich kostete es im Hörspiel mitunter am meisten Zeit, die D7-Sounds mit seinen Reaktionen und Empfindungen inmitten der Dialoge "synchronisierend" zu platzieren.

    HAARFIGHTER
    "Föhnst du dir die Haare oder schwirrt da ein TIE-Fighter im Bad umher ?"

    Der exorbitant laute Haartrockner meiner Frau war schon immer das passende Geräusch für einen potentiellen TIE-Fighter.
    Würde ich also jemals ein solches Hörspiel machen wollen, wäre das Erzeugen dieses markant kreischenden Raumjägers kein Problem.
    Natürlich musste der aufgenommene Haarföhn im Audioeditor noch stark nachpoliert werden, so dass das Geräusch insbesondere durch einen klassischen Gitarrenverstärker geschickt wurde (mit Distortion und Skream), in den Tonhöhen moduliert und natürlich auch die Bässe und Subs hervorgehoben wurden.
    Auch wurde dem Sound noch eine zusätzliche künstliche Rauschfahne hinzugefügt, welche zuvor durch einen "Flanger" lief.
    Im wesentlichen erstelle ich viele meiner Flybye-Raumschiffe unter Zuhilfenahme von Effekten wie Distortion und Flanger, die mitunter den Aufnahmen echter Flugzeuge oder am Synthesizer künstlich erzeugter Spaceships, beigemischt werden.

    Natürlich ist dies nur eine kleine Auswahl an Sounds, um hier auch nicht den Rahmen zu sprengen. In meiner Eigenschaft als Sprecher mit einer sehr tief gehenden Strohbassstimme- und im Hörspiel den Imperator als auch Jabba den Hutten mimte, habe ich u.a. auch die putzigen Jawas, so wie den Rhodianer eingesprochen, die mit einer simplen Tonhöhentransponierung über meiner Stimme, modifiziert wurden.

    Zum Sounddesign gehört allerdings nicht nur das Basteln von Sounds, sondern vor allem auch das, was man insofern gar nicht im Hörspiel so offensichtlich mitbekommt, aber eine ganz andere Herausforderung ist:

    MATCHEN
    Die vielen (Hobby)Sprecherinnen und Sprecher, nehmen ihre Parts natürlich in ihren heimischen vier Wänden auf und im wesentlichen werden unterschiedlichste Mikrofone verwendet, die alle mehr oder weniger auch durch die heimische Akustik bedingt, einen sehr unterschiedlichen Sound mitbringen. Im Sounddesign ist es daher auch meine Aufgabe, mit Geduld und der Arbeit am Equalizer, alle im Hörspiel Mitwirkenden dann auch wie aus einem Guss klingen zu lassen, was mitunter auch viel Zeit an einer Produktion kostet.

    DIE MUSIK
    Die Musik im Hörspiel fungiert nicht nur als Übergang und szenischer Trenner für die Schauplatzwechsel zwischen den Rebellen und dem Imperium, sondern funktioniert auf ihrer Ebene zudem als eigenständig emotional tragende Unterstützung und gewissermaßen- für ein Hörspiel, zusätzlich "visuelles" Medium.

    Ursprünglich wollte ich eine gänzlich andere Musik für das Hörspiel komponieren, welche nicht auf den Motiven von John Williams basierten.
    Schon kurz nach den ersten Cuts und Snippets aus dem Hörspiel stellte sich aber mit der neuen Musik heraus, dass ich für eine Fortführung der Geschichte- welche direkt an die Ereignisse an Episode IV anknüpfte, nicht auf Willams' Motive verzichten konnte und es anders auch nicht funktionierte.

    Die neue Musik hätte in der Form nur zu einem anderen Hörspiel einer anderen Ära gepasst, jedoch nicht für die Fortführung des Kanons.
    So entschloss ich mich, einige bekannte Motive als Grundlage zu nehmen und als eigenständige Stücke neu einzuspielen und umzuarrangieren.

    Auch griff ich auf kleine Teile von etwaigen Melodien zurück, die ich in meine Moods integrierte, um den "Star Wars`schen" Wiedererkennungswert beizubehalten.

    Das Hörspiel hat eine Laufzeit von ca. 120 Minuten und (fast) ebenso viel Musik ist darin auch zu hören.
    Allerdings habe ich das Hörspiel nicht von Anfang-Ende durch gescored, sondern viele Versatzstücke mit Open Ends angefertigt, so dass diese Teile wiederum zu neuen Stücken zusammengesetzt oder beliebig erweitert werden konnten.

    Insgesamt habe ich für das Hörspiel ca. 40 Minuten separat eigenständige Soundtracks angefertigt und dann durch die Kombo aus Versatzstücke auf eine Länge von ca.120 Minuten gebracht.


    Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen unterhaltsamen Einblick in die Produktion geben.
    LG

    +Jeder Tag mehr ist auch ein Tag weniger-

  • Soundjob

    Vielen Dank dir für diesen ausführlichen und herrlich anschaulichen Einblick – das liest man wirklich mit großem Vergnügen. Gerade diese Mischung aus Improvisation, Tüftelei und klarem klanglichen Zielbild macht total greifbar, wie viel Handarbeit und Kreativität im Sounddesign steckt, die man beim Hören oft gar nicht bewusst wahrnimmt.

    Besonders schön fand ich deine Lösungen mit der Dose für den Wookie und dem Föhn für den TIE-Fighter – genau solche pragmatischen Einfälle sind es ja, die Soundwelten lebendig machen. Und zugleich merkt man, wie viel Respekt vor dem Original und seinem Wiedererkennungswert dahintersteht, ohne es einfach zu kopieren.

    Auch der Einblick ins „Matchen“ der Stimmen und in die musikalische Herangehensweise war sehr spannend. Da wird erst richtig deutlich, wie viele Ebenen zusammenkommen müssen, damit am Ende alles wie aus einem Guss wirkt.

    Also wirklich: Danke fürs Teilen – solche Blicke hinter die Kulissen sind unglaublich wertvoll und machen das fertige Hörspiel im Nachhinein noch einmal reicher.

  • Sehr interessant! Vielen Dank für Einblick und Anekdoten, die sowohl Applaus und ein Schmunzeln verdienen. Und großen Respekt mit Küss die Hand an Deine Frau!

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Hier erzählt Tom Steinbrecher etwas über seine Arbeit an "Runed - Das verschollene Auge".

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    Ich bin heute so farbenfroh, ich habe fünf verschiedene Schwarztöne an.

  • Sehr interessant! Vielen Dank für Einblick und Anekdoten, die sowohl Applaus und ein Schmunzeln verdienen. Und großen Respekt mit Küss die Hand an Deine Frau!

    Glücklicherweise war meine Frau zu jener Zeit meines Gedankenspiels um den "Wookie-Sound" außer Haus.
    Hätte Sie auch nur ansatzweise mitbekommen, dass sich meine Gedanken um "Fliesenboden und Stühle rücken" bewegten, hätte Sie mir den Stuhl...
    Nun gut, ich hätte vlt. also anderweitig noch ein paar "Punch und Stöhner" für das eigene Soundarchiv sammeln können. ^^

    +Jeder Tag mehr ist auch ein Tag weniger-

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