Comics als Hörspiel

  • Ich bin über einen älteren kurzen Artikel aus dem Tagesspiegel gestolpert, in dem die Frage aufgeworfen wird, ob man Comics vertonen kann. Wie seht ihr dies und welche Vertonungen gefallen euch am besten?

    Persönlich denke ich schon, dass es geht, was man schon an so erfolgreiche Serien wie "Asterix" sieht. Allerdings gibt es für mich hier auch klare Grenzen. Sehr viele Gags, lassen sich nur schwer in Töne umwandeln. Vor kurzem habe ich mir zwei alte Lucky Luke Hörspiele von Teldec angehört, welche komplett ohne Erzähler auskommen. Dadurch, dass ich die Geschichten als Comic kenne, haben die Hörspiele bei mir "funktioniert". Ich bin mir aber nicht sicher, ob dies auch bei einem Nichtleser so wäre. Bei Comics, die ich nicht kenne, bzw. gelesen habe, bin ich daher auch erst mal skeptisch und warte die Meinungen von anderen ab, bevor ich mir das Hörspiel dazu kaufe.


    Hier der Artikel vom Tagesspiegel...

    Bilder fürs Ohr

    http://www.tagesspiegel.de/kultur/comics/…r/12269188.html

  • Comics sind Geschichten
    Geschichten lassen sich vertonen

    Natürlich kann nicht jeder Gag übernommen werden, aber das kann auch nicht bei einer Buchadaption. Also kommt es immer wieder darauf an, wie sie adaptiert wurden. Ich höre heute noch gerne die Tim und Struppis und habe eine Nervenlähmung bei Superman von Argon bekommen

  • Ich höre heute noch gerne die Tim und Struppis...


    Ja, die Tim und Struppi Kassetten sind schon wirklich klasse produziert. Liegt mitunter an dem super Zusammenspiel der Sprecher. Die Folgen laufen auch bei mir öfter mal. Wird wirklich Zeit, dass die Kassetten mal durch CDs abgelöst werden. ;)
    Zuletzt habe ich mir auch noch mal das alte Tim und Struppi Hörspiel "Flug 714 nach Sydney" von "Unsere Welt", eine Kurt Vethake Produktion, angehört. Das Hörspiel ist schon ganz anders, als die spätere Fassung von Maritim, teilweise etwas "trockener" in ihrer Machart. Da ich diese Schallplatte aber schon seit meiner Kindheit kenne, hat diese Produktion aus den 70er bei mir einen großen Nostalgiebonus. Witziger weise tauchen hier schon einige Sprecher auf, die auch später in der Maritim Fassung mitspielen, nur halt in ganz anderen Rollen.

  • Mein Problem ist weniger, die Umsetzung der Comics
    Wobei die Argon Lesungen.. naja

    Vielmehr, welcher Comic mich den reizen würde, als Hörspiel zu hören
    Denn die modernen Comics wie Mangas und Co reizen mich nicht
    Marvel kenne ich tatsächlich nur durch die Filme, also hätte ich gar keine Verbindung, dass ich diese als Comicvertonungen ansehe
    Und die Comics die ich gelesen habe und lese, werden wohl nie als Hörspiel mehr erscheinen

  • Die Frage finde ich spannend, weil sie auf den ersten Blick so einfach klingt – „Comics vertonen, geht das?“ – und doch steckt da viel dahinter. Comics leben ja nicht nur von Handlung und Dialog, sondern vor allem vom Bild, von der Abfolge der Panels, vom Rhythmus, den die Zeichnungen vorgeben. Wenn man das ins Hörspiel überträgt, muss man sich bewusst machen: Man ersetzt nicht einfach Bilder durch Erzählertext. Man übersetzt die Atmosphäre, die Brüche, die Schnitte – mit Stimmen, Geräuschen, Musik und Pausen.

    Ich glaube: Ja, man kann Comics sehr gut vertonen, aber es braucht einen klaren künstlerischen Willen. Wenn man nur Handlung wiedergibt, verliert man den Reiz. Wenn man aber den Mut hat, das Erzählen ins Akustische zu verlagern – also Panels zu Szenen macht, Soundeffekte als visuelle Marker setzt und den Flow des Originals aufgreift –, dann entsteht ein eigener Zauber. So wie ein Film auf Basis eines Romans nicht das Buch ersetzt, sondern eine andere Form des Erzählens ist, so ist auch das Hörspiel auf Basis eines Comics eine eigenständige Kunstform.

    Was mir an gelungenen Umsetzungen gefällt, ist genau das: wenn sie nicht sklavisch versuchen, jedes Bild zu erklären, sondern wenn sie die Freiheit nutzen, Stimmungen hörbar zu machen, die zwischen den Panels stehen. Ich erinnere mich an einige Adaptionen, bei denen ich das Gefühl hatte: Hier hat jemand verstanden, dass es nicht ums Nacherzählen geht, sondern ums Übersetzen. Besonders reizvoll finde ich auch, wenn Comics mit starkem visuellen Humor ins Hörspiel gebracht werden – das ist schwer, aber wenn es klappt, hat es einen ganz eigenen Witz, der im Kopf weiterzeichnet.

    Kurz: Comics kann man vertonen – aber nur dann, wenn man akzeptiert, dass man nicht „eins zu eins“ überträgt, sondern eine eigene Form schafft. Die besten Beispiele sind für mich immer die, die respektvoll mit der Vorlage umgehen und gleichzeitig selbstbewusst sagen: Das hier ist ein Hörspiel, das darf und muss auch anders sein.

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