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    Wie heute im Radio zu hören war, ist am frühen Morgen der französische Schauspieler Pierre Brice im Alter von 86 Jahren infolge einer Lungenentzündung verstorben. Berühmt wurde er durch die Rolle des Apachenhäuptlings "Winnetou" in den Karl May-Verfilmungen der 1960er-Jahre, an der Seite des Amerikaners Lex Barker, der Karl Mays alter ego "Charlie", genannt "Old Shatterhand", verkörperte.


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    Geboren wurde Pierre Brice am 6. Februar 1929 als Baron Pierre Louis Le Bris in Brest (Bretagne). Im Zweiten Weltkrieg war er in der Résistance aktiv. Mit 19 Jahren kämpfte er im Französischen Indochinakrieg in Vietnam. Später kämpfte er als Fallschirmjäger im Algerienkrieg. Da er seinem Freund und ehemaligem Waffenbruder Alain Delon sehr ähnlich sah, der sich nach den Kriegen als Schauspieler im frz. Kino etablieren konnte, hatte Brice es schwer, im französischen Filmgeschäft Fuß zu fassen und verdiente sich etwas Geld als Model, ging dann nach Spanien und Italien, wo er in diversen Filmen mitwirkte. Sein größter Erfolg wurden die Karl May-Filme des deutschen Produzenten Horst Wendtland. Pierre Brice und Winnetou verschmolzen für die Öffentlichkeit zu einer Einheit. Es war die prägende Filmrolle seines Lebens, wie es auch im Titel seiner Autobiografie (2004) zum Ausdruck kommt: "Winnetou und ich".

    Am Abend des 5. Juni 2015 wurde Pierre Brice mit hohem Fieber in ein Krankenhaus unweit von Paris eingeliefert. Er verstarb heute Morgen, am 6. Juni 2015, an den Folgen einer Lungenentzündung.

  • :(

    Als Winnetou hätte man sich keinen besseren Darsteller vorstellen können.

    Ich weiß noch: Der erste Karl May-Film, den ich jemals sah, war „Der Schatz im Silbersee“ irgendwann in den späten 70er Jahren im Fernsehen. Davor hatte ich Winnetou nur von den Europa-Hörspielen her gekannt. Und ich weiß noch, dass ich zuerst etwas enttäuscht war, dass seine deutsche Stimme im Film anders klang als auf den Schallplatten.

    Ich muss zwar zugeben, dass ich mich damals immer eher mit Old Shatterhand identifiziert habe (und daher beim Spielen mit meinen Kumpels niemals der Winnetou sein wollte), aber ohne Brice wären die Filme sicherlich nicht so gut gewesen. Er gab der Figur die nötige Seriosität.

    Durch Bullis Parodie „Der Schuh des Manitou“ fühlte er sich verletzt (was man aus seinem Blickwinkel nachvollziehen kann). Und in seiner Heimat Frankreich war er bis zuletzt kaum bekannt, was ihn aber nicht störte.

    Chapeau, Monsieur Brice!

  • Das erinnert mich daran, das ich als Kind die "Silberbüchse" besaß, (die ich dann dummerweise später mit einem Freund gegen seinen Colt eingetauscht hatte). Und natürlich auch an die tollen Hörspiele mit Konrad Halver, muss ich grad denken.

    Es geht einem überhaupt vieles durch den Kopf, wenn man so darüber nachdenkt.

    Manche ergehen sich derzeit in Geschwafel über den "Kitsch" der Karl May-Filme, wie naiv und weltfremd sie gewesen wären. Ich denke dann manchmal, es fehlt ihnen einfach der Sinn für Schönheit. Ein Sonnenuntergang in schöner Naturkulisse kann jedenfalls sehr viel "kitschiger" sein als ein Karl May-Film, wenn man es denn so betrachten möchte.

    Man mag aber denken und sagen, was man will. Für mich jedenfalls stehen und fallen Karl May-Verfilmungen mit Lex Barker, Pierre Brice und auch Rik Battaglia, der ja regelmäßig die Bösewichter geben durfte. Ohne die drei ist es einfach nicht dasselbe. Es ist eben das Gesamtkunstwerk - die jugoslawisch-mediterrane Landschaftsschönheit, die Musik von Martin Böttcher, die ganze Machart inklusive der Farben, die die Filme besitzen. Solche Filme und Farben gibt es heute nicht mehr. Daher lehne ich Neuverfilmungen, wie sie gerade im Gange sind, ab. Sie können einfach nicht so gut werden, wie die Originale.

    Und die Bully-Verfilmung: Pierre Brice hatte sicher nichts gegen eine komödiantische Hommage an die Karl May-Filme und Italo-Western. Er hat sich aber, verständlicherweise, sehr darüber geärgert, dass die Idee oder das hohe Ideal von Blutsbrüderschaft, Treue, Ehre und echter Männerfreundschaft, das Karl May im Sinn hatte, in ein tuntiges "Broke Back Mountain"-Fahrwasser gezogen und somit verunglimpft wurde.

    Es gibt ja Leute, die sich gar nicht (mehr) vorstellen können, dass es echte Freundschaft unter Männern geben könnte, ohne dass dabei Sex eine Rolle spielt. Sicher hat es zu allen Zeiten die eine oder andere Verirrung gegeben, davon war sicher auch der "Wilde Westen" nicht ganz ausgenommen. Aber sehr viel häufiger war es doch so, dass Männer lange Wochen in der Wildnis unterwegs waren und sich dann in irgendeinem Red House bei Musik, Whisky und in Gesellschaft einiger netter Damen das geholt haben, was sie so lange entbehrten.

    Es gibt die Regel und die Ausnahme. Die Ausnahme aber zur Regel erklären zu wollen, dagegen hat Pierre Brice sich zur Wehr gesetzt.

    Mir geht in solchen Momenten wie heute jedenfalls durch den Kopf, dass wir leben. Und dass wir Lebenden kein Recht haben, unsere Lebenszeit mit Nichtigkeiten zu verschwenden, sondern uns täglich neu in den Kampf stürzen sollen, mit Freude und Energie etwas machen sollen aus dem, was uns der Herr mitgegeben hat. Wir sind unendlich reich und haben die Pflicht, diesen Reichtum bis zur Neige auszukosten. (Und damit meine ich jetzt nicht finanziellen Reichtum, sondern den Reichtum Gesundheit, Freiheit, Schönheit, Freude, Natur und das Leben an und für sich mit allen Mitteln und Möglichkeiten zu genießen.)

    Denn eines Tages wird auch unser Name aufgerufen. Und niemand von uns weiß, wann er an der Reihe ist. Es ist ein bisschen das barocke Motto des "Carpe Diem" und "Memento mori", das dahintersteht. "Pflücke den Tag", und "bedenke, dass du sterblich bist". Man sollte grundsätzlich mit Freude und Todesverachtung leben, dabei aber stets im Hinterkopf behalten, dass Gott einen Termin mit uns hat, früher oder später. Und dieser Termin wird unfehlbar und unausweichlich kommen, für Reiche wie für Arme, für Gesunde wie für Kranke, für Schöne wie für Hässliche, für Menschenfreude wie für Menschenschinder und Diktatoren, für Gerechte und auch für Ungerechte, für Alte, aber auch für Junge.

    Der indische Yogameister Paramahansa Yogananda sagte es einmal so: "Als du geboren wurdest, hast du laut geschrien und geweint, aber alle anderen standen mit einem Lächeln im Gesicht um dich herum. Lebe so, dass du am Ende mit einem Lächeln im Gesicht von der Welt gehst und die anderen, die um dich stehen, weinen."

  • Warum sprichst du von "tuntiger Brobeback Mountain-Verunglimpfung" und im Zusammenhang mit Homosexualität im Wilden Westen von "Verirrung"?

    Bist du etwa homophob?

    Glaubst du, dass "der Herr" Homosexualität ablehnt?

  • Ich dachte einfach, solche Vorurteile hätten wir heutzutage hinter uns. :rolleyes:

    Was "Slang" angeht: Der Slang von Homophoben ist an Übelkeit nicht zu überbieten. Da hilft nur eines: Gegenhalten! 8)

    Und: Pierre Brice hätte sich über homophobe "Fans" bestimmt nicht gefreut. Aber das nur nebenbei ...

    Edited once, last by H. Hatch (June 7, 2015 at 12:50 AM).

  • Ich glaub ja eher, das bereits oben erwähnte: Er fand die alberne Art verletzend....das die beiden plötzlich vom anderen Ufer waren, war dann der Gipfel...aber das allein war es für ihn nicht. Ich bin auch einer von denen, die den Film einfach nur bescheuert fand.... aber so ist das halt mit grenzwertigen, auf extrem albern gemachten Humor... :rolleyes:

  • Ich weiß, ehrlich gesagt, nicht, was "Homophobe" so reden oder wie sie so reden. [So etwas hier (in diesem Thread) diskutieren zu wollen, scheint mir auch ein wenig deplatziert bis pietätlos. Zu derartigen Themen kann man bei Bedarf sicher einen Extra-Thread eröffnen?]

    Ich weiß nur, dass Karl May in all seinen Büchern nicht nur darauf allergrößten Wert legte, spannende Geschichten zu erzählen, sondern dass ihm vor allem am Christentum lag, in dem er fest verwurzelt war, und natürlich den entsprechenden christlichen Werten. In den zehn meistgelesenen May-Werken wird rund 60 Mal aus der Bibel zitiert, inklusive vieler Lob-, Dank- und Bittgebete.

    Dies kommt sehr deutlich in seinen Orient-Romanen zum Tragen und nicht zuletzt auch in den Wild West-Romanen, allen voran der Winnetou-Trilogie, wo der stolze Apachenhäuptling an seinem Ende die geretteten Siedler darum bittet, ihm das "Ave Maria" zu singen, (obwohl Karl May, "der katholische Protestant" eigentlich Lutheraner war)*. Der sterbende Winnetou bekennt mit seinen letzten Worten: "Schar-lih - ich glaube an den Heiland. Winnetou ist ein Christ. Lebe wohl!"

    Pierre Brice vertrat ein ebenfalls christliches Credo: "Ich glaube an den individuellen Weg, zu Gott zu finden. Gott ist für mich ein Bewusstsein, eine Kraft, die uns führt."

    Karl May, der oft zwischen die Fronten der Katholiken und Protestanten geriet, betrachtete das Ganze auch eher von einem universellen, humanistisch-christlichen Standpunkt aus: "Ich bin über diese konfessionelle Kleingeisterei erhaben. Ich bin einfach Christ und Mensch, und nur das zählt."

    *Wobei das "Ave Maria" ja im ersten Teil aus den Marienanreden des Erzengels Gabriel (Lukas 1,28) und der Elisabeth beim Besuch Marias (Lukas 1,42) besteht, sich so also auch in "protestantischen" Bibeln findet. Nur der zweite Teil des Gebets, die Bitte um Beistand in der Todesstunde, wurde von Papst Pius V. im Jahr 1568 offiziell ergänzt.

  • Dies kommt sehr deutlich in seinen Orient-Romanen zum Tragen und nicht zuletzt auch in den Wild West-Romanen, allen voran der Winnetou-Trilogie, wo der stolze Apachenhäuptling an seinem Ende die geretteten Siedler darum bittet, ihm das "Ave Maria" zu singen, (obwohl Karl May, "der katholische Protestant" eigentlich Lutheraner war). Der sterbende Winnetou bekennt mit seinen letzten Worten: "Schar-lih - ich glaube an den Heiland. Winnetou ist ein Christ. Lebe wohl!"

    Ist ja komisch.

    Ansonsten: Pierre Brice hat mein Leben zwar kaum geprägt (natürlich erinner ich mich an jugendliche Winnetou-Sessions, aber nicht ganz so exzessiv wie mancher hier) und sein filmisches Vermächtnis kann sicherlich auch hinterfragt werden, andererseits hat er viele Menschen erfreut und hat im Gegensatz zu mir sozial nicht nur auf seinem Arsch gesessen, von daher. Er hat ein stolzes Alter erreicht und hat sein Leben sicher voll ausgekostet, also würd ich mal sagen- alles richtig gemacht. Ruhe in Frieden.


  • Ist ja komisch.


    Findest Du? Der Gedanke zieht sich durch sein ganzes Werk. Und im Kontext der Winnetou-Geschichte ist dieser Weg Winnetous auch sehr stringent und stimmig erzählt. Es wirkt vielleicht seltsam, wenn man es aus dem Kontext gerissen liest.

    They call me the Fader. Which is what I'm about to do.

    Die deutsche Rechtschreibung ist Freeware, d.h. man darf sie kostenlos nutzen.
    Allerdings ist sie nicht Open Source, d.h. man darf sie nicht verändern oder in veränderter Form veröffentlichen.

  • Es wirkt vielleicht seltsam, wenn man es aus dem Kontext gerissen liest.

    Ja, das ist der Fall. Vor allem dann, wenn man wie ich keinen May-Roman gelesen hat (oder vielleicht mal vor ~30 Jahren, aber das weiß ich nicht mehr). Ich sag ja, bin da kaum bewandert in der Thematik.

  • Eine sehr traurige Nachricht! Mein aufrichtiges Beileid ;(

    Als ganz kleines Kind war ich ein großer Winnetou und Old Shatterhand Fan. Bei uns gab es in den Sommerferien schon am Nachmittag Fernsehen (im Gegensatz zur Nicht Ferienzeit) und da waren die Karl May Filme mit Pierre Brice und Lex Parker die absoluten Highlights für mich. Das ist ein großes Stück Kindheitserinnerung, die ich nicht missen möchte. Auch wenn Pierre Brice nun endgültig in die ewigen Jagdgründe gegangen ist, so wird er für immer Teil meiner Kindheit bleiben - dafür ein großes #danke#

  • Sehr traurig!

    Die Karl May Filme waren und sind einfach großartig und immer weider schön anzusehen. Als Kind habe ich die Filme verschlungen und mit meinen Eltern bei einem Glas Saft auf dem Sofa angesehen.
    Schöne Erinnerungen. :)

    Ruhe in Frieden.

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