Qualität der aktuellen Radiohörspiele

  • In der Hoffnung, dass hier vielleicht der eine oder andere Verantwortliche aus dem Bereich "Hörspiele" des öffentlich rechtlichen Rundfunks mitliest, möchte gerne mal ein paar Worte zum Thema "aktuelle Radiohörspiele" loswerden. Gerne darf auch darüber diskutiert werden. ;)

    Schon in meiner Jugendzeit war das Radiohörspiel für mich eine willkommene Alternative zu den kommerziellen Hörspielproduktionen. Nur konnte das Radiohörspiel damals, in meinen Augen, mit diesen mithalten. Heute dagegen sucht man Hörspielperlen im Radio wie die Nadel im Heuhaufen. Zu sehr wird heutzutage krampfhaft auf "anspruchsvolle" Produktionen wert gelegt. Bitte nicht falsch verstehen, es muss und sollte auch anspruchsvolle Produktionen geben. Aber, muss wirklich, gefühlt jeder dritte Krimi im Radio einen sozialkritischen Hintergrund aufzeigen? Muss ein Krimi unbedingt mit experimentellen Elementen daherkommen? Und, gerade diese Krimis sind für mich nicht wirklich innovativ, sonder eher austauschbar, weil schon so viele aktuell Radiohörspiele weitgehend gleich klingen. Bin ich wirklich der einzige Hörer, der sich gerade auf so Schienen wie den "Krimi am Samstag" oder den "Mitternachtskrimi" mal einfach nur "unterhalten" lassen will? Wo sind neue Krimi Produktionen, die den Hörer vor'm Radio zu Fesseln wissen? Man mit Spannung mitfiebert? Warum geht dies nur über die Radioklassiker? Warum schaffen dies Produktionen jenseits der 90er Jahre kaum noch? Ein weitere wunder Punkt sind Hörspiel-Serien im Radio. Es gibt sie kaum noch. Warum? Als Beispiel sei hier mal die geniale Serie wie "Prof. van Dusen" genannt.
    So fern man den Radio Tatort als "Serie" bezeichnen kann, hat man hier auch alle Chancen auf eine gute Krimiserie vertan. Wie sehr hätte ich mir hier eine Reihe mit herausragenden und spannenden Fällen gewünscht. Aber, seien wir doch mal ehrlich, 90% der Fälle im Radio Tatort sind "austauschbar" und könnten überall laufen. Hierzu hätte es keinen eigenen Serien-Namen bedurft.
    Auch neue Science Fiction Hörspiele verschwinden fast ganz aus dem Radio. Da wird zum 100. Mal die Schatzinsel aufgewärmt, aber es gibt keine Ambitionen mal einen guten SciFi Roman neu zu vertonen???

    Sicher, insgesamt harte Worte von mir, und es gibt zum Glück auch immer noch Ausnahmen, was die aktuellen Radio Hörspiele angeht, die dann das Gegenteil von meinem Geschriebenen belegen, die aber werden leider immer weniger. Außerdem lag es mir einfach mal auf dem Herzen dies zu Schreiben, in der Hoffnung, dass Verantwortliche mal darüber nachdenken.

    @Hoerspieltalk: Wie sehr ihr dies? Hat sich das Hörspiel im Radio so sehr zum schlechteren verändert, wie ich es empfinde? Oder, ist es für Euch sogar besser geworden? Was würdet ihr euch vom Medium Hörspiel im Radio für die Zukunft wünschen?

  • Tolles Thema! Leider kann ich nur eine Antwort auf deine letzte Frage geben.
    Ich würde es ganz toll finden, wenn es im Radio eine qualitative Serie gäbe, die wöchentlich ausgestrahlt würde.
    Und zwar eine, die die Massen anspricht! So das man sich auf die nächste Folge freut und es Spaß macht, sich darüber im Forum auszutauschen!

    Ist das ein Wunschtraum? Für das Hörspiel ansich wäre es auch eine großartige Sache!

    .......................

    Keiner ist weiter von der Wahrheit entfernt als jener, der alle Antworten weiß.
    ( Laozi )

  • Warum wird hier eigentlich immer öfter Anspruch als negatives Element in einem Hörspiel angesehen? Sicher soll und darf es auch reine Unterhaltungsproduktionen geben. Aber dafür gibt es doch den kommerziellen Hörspielmarkt. Anspruch und Unterhaltung müssen sich aber auch nicht gegenseitig ausschließen. Im Gegenteil: Ich persönlich fühle mich sehr gut unterhalten von Hörspielen, die mir nach dem Hören noch im Kopf bleiben und über die ich unter Umständen am nächsten Morgen auf dem Weg zur Arbeit noch einmal nachdenken muss. Hörspiele mit Tiefe, Spannung und Charakteren die mir ans Herz wachsen. Bei denen ich mich mit freuen kann, aber genauso mit Ihnen traurig sein kann.

    Der öffentlich-rechtliche Rundfunk produziert wohl vermehrt anspruchsvolle Stoffe auch mit sozialkritischem Hintergrund, da es ja seit Mitte der Achtzigerjahre auch private Radio und Fernsehsender gibt. Diese sollten die Nachfrage an reiner Unterhaltung befriedigen. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat hingegen einen Kultur- und Bildungsauftrag. Deshalb wird er auch über Gebühren finanziert und nicht über Werbung, eben damit man nicht zwangsläufig für die Einschaltquoten produzieren muss.

    Früher gab es praktisch nur den öffentlich-rechtlichen Rundfunk (Fünfziger- und Sechzigerjahre) dementsprechend hat der Rundfunk damals auch vermehrt reine Unterhaltungssendungen produziert. Wir haben zwar keine privaten Radiosender die Hörspiele produzieren, aber wie oben schon erwähnt in den kommerziellen Hörspielmarkt. Dieser bedient seit mehreren Jahren bis auf wenige Ausnahmen nur noch die Nachfrage an reiner Unterhaltung. Hörspielserien mit Anspruch sind zu 98 % eingestellt worden. Wenn der kommerzielle Markt schon so wenig Anspruch bietet, so muss das Radio doch wenigstens für den Hörer der sich Anspruch wünscht ein breites Programm bieten. Warum soll jetzt das Radio ein ähnliches Schicksal treffen wir den kommerziellen Markt?

    Was das Thema Science-Fiction Hörspiele im Radio angeht so kann ich zustimmen. Auch längere Serien wie Prof. van Dusen fehlen heute im Programm.

  • Warum wird hier eigentlich immer öfter Anspruch als negatives Element in einem Hörspiel angesehen? Sicher soll und darf es auch reine Unterhaltungsproduktionen geben. Aber dafür gibt es doch den kommerziellen Hörspielmarkt. Anspruch und Unterhaltung müssen sich aber auch nicht gegenseitig ausschließen.

    Ich sehe "Anspruch" nicht grundsätzlich als negativ. Wie ich ja schrieb, bin ich auch der Meinung, dass es weiterhin "anspruchsvolle" Hörspiele geben muss und sollte. Ich denke es gibt beim öffentlich rechtlichen Rundfunk aber auch genug Kapazität und Sendeplätze um beides unterbringen zu können... das anspruchsvolle und unterhaltende Hörspiel. Vor allem ärgert mich aber, dass man im Rundfunk derzeit gefühlt versucht mit ach und Krach viele Krimi Hörspiele auf "anspruchsvoll" zu trimmen. So bleiben bei sehr vielen Krimis derzeit die Spannung auf der Strecke. Dies kommt bei mir jedenfalls aktuell so rüber. Natürlich können und sollen Krimis im Radio auch "Tiefgang" haben.

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    Der öffentlich-rechtliche Rundfunk produziert wohl vermehrt anspruchsvolle Stoffe auch mit sozialkritischem Hintergrund, da es ja seit Mitte der Achtzigerjahre auch private Radio und Fernsehsender gibt. Diese sollten die Nachfrage an reiner Unterhaltung befriedigen. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat hingegen einen Kultur- und Bildungsauftrag. Deshalb wird er auch über Gebühren finanziert und nicht über Werbung, eben damit man nicht zwangsläufig für die Einschaltquoten produzieren muss.

    Ist es nicht vielmehr so, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen im öffentlich rechtlichen Rundfunk erreicht werden sollen. Wenn du dem öffentlich rechtlichen Rundfunk die "Unterhaltung-Schiene" aberkennst, dann bitte ich alle Radiowellen, bis auf die Klassik-, Nachrichten und Kulturwellen abzuschalten. ;) Und, Werbung läuft auch im öffentlich rechtlichen Rundfunk, nur mal so angemerkt. ;)

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    Wenn der kommerzielle Markt schon so wenig Anspruch bietet, so muss das Radio doch wenigstens für den Hörer der sich Anspruch wünscht ein breites Programm bieten. Warum soll jetzt das Radio ein ähnliches Schicksal treffen wir den kommerziellen Markt?

    Ich denke, dass im kommerziellen Hörspiel Markt aber noch nie richtig "anspruchsvolle" Hörspiele produziert wurden. Früher nicht und auch heute nicht. Hier zählt ja auch, dass sich das Hörspiel verkaufen muss und da muss halt in erster Linie die breite Masse angesprochen werden.
    Aber der Rundfunk hätte die Möglichkeit beides zu bedienen... Anspruch UND Unterhaltung. Die Argumentation nach einem reinen Kulturauftrag zählt für mich einfach nicht, solange es auch genug Dudelfunkwellen im öffentlich rechtlichen Rundfunk gibt.

    Edited once, last by hoerspielkassette (January 6, 2015 at 6:07 PM).

  • Ich sehe "Anspruch" nicht grundsätzlich als negativ. Wie ich ja schrieb, bin ich auch der Meinung, dass es weiterhin "anspruchsvolle" Hörspiele geben muss und sollte.

    Ich lese auf Hörspielseiten allerdings selten, dass man sich über anspruchsvolle Produktionen konkret freut.
    Aktuelles Beispiel (aus dem kommerziellen Bereich): End of Time. Hier wird sich von Hörerseite darüber beschwert, dass die Geschichte zu kompliziert sei und die Charaktere keine Tiefe bekommen würden. Dies wird im aktuellen Ohrcast thematisiert. Man ist dort der Meinung, dass man den Hörspiel durchaus gut folgen kann, wenn man es nicht nebenbei (beim Rasenmähen), sondern mit Konzentration hört. Auch findet man sehr wohl, dass die Charaktäre Tiefe haben. Dies kann ich bestätigen, denn auch ich habe alle drei Folgen gehört und bin der gleichen Meinung.

    Offensichtlich ist man zur Konzentration nicht mehr bereit.

    st es nicht vielmehr so, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen im öffentlich rechtlichen Rundfunk erreicht werden sollen. Wenn du dem öffentlich rechtlichen Rundfunk die "Unterhaltung-Schiene" aberkennst, dann bitte ich alle Radiowellen, bis auf die Klassik-, Nachrichten und Kulturwellen abzuschalten. Und, Werbung läuft auch im öffentlich rechtlichen Rundfunk, nur mal so angemerkt.

    Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat die Aufgabe der Grundversorgung, Informationen, Kultur und Bildung. Das Radio erfüllt diesen Auftrag noch am ehesten. Wo beginnt und wo endet Grundversorgung in Zeiten des privaten Rundfunk und Fernsehens? Die Popwellen die aktuelle Popmusik spielen, sehe ich bei dieser Überlegung genauso kritisch wie du. Ja im öffentlich-rechtlichen Rundfunk läuft auch Werbung. Aber überlege dir mal für welche Produkte dort geworben wird, zu welchen Zeiten geworben wird und für welche Produkte. Dann wirst du feststellen dass vermehrt für Produkte geworben wird die privaten Rundfunk und Fernsehen NICHT beworben werden. Hier wird also eine Lücke bedient, die von den privaten vernachlässigt wird.

    Im TV Programm werden die angesprochenen Aufträge des Rundfunks allerdings immer weniger wahrgenommen. Vielmehr orientiert man sich an den Privatsendern und produziert Sendungen wie „Aldi gegen Lidl - der große Test." Dies stört mich gewaltig und daher sehe ich auch das kritisch. Nur mal so am Rande erwähnt.

    Ich denke, dass im kommerziellen Hörspiel Markt aber noch nie richtig "anspruchsvolle" Hörspiele produziert wurden. Früher nicht und auch heute nicht. Hier zählt ja auch, dass sich das Hörspiel verkaufen muss und da muss halt in erster Linie die breite Masse angesprochen werden.
    Aber der Rundfunk hätte die Möglichkeit beides zu bedienen... Anspruch UND Unterhaltung. Die Argumentation nach einem reinen Kulturauftrag zählt für mich einfach nicht, solange es auch genug Dudelfunkwellen im öffentlich rechtlichen Rundfunk gibt.

    Im kommerziellen Bereich gab es keine anspruchsvollen Produktionen? Mir fallen da spontan ein paar ein: Edgar Allan Poe (eigestellt), Sigmund Freud (eingestellt), Mind Napping (pausiert), Wallander (eingestellt). In allen Fällen aufgrund geringer Verkaufszahlen.

    Zurück zum Radio: aus meiner Sicht ist es überhaupt nicht schwierig, gute Produktionen im Radio zu finden. Da gibt es zum einen den Radio Tipp der Hörspielfreunde, den Ohrcast oder hoerspieltipps.net. Also keineswegs die Suche nach einer Nadel im Heuhaufen.

  • Da hat wohl jeder andere Definitionen von "Anspruch"...

    End of Time fällt garantiert nicht nicht in erster Linie unter Anspruch, sondern ist für mich sehr gut gemachtes, in seiner schnörkellosen Art mit mehreren parallelen Handungschauplätzen durchaus innovatives Blockbuster-"Kino".

    Auch Poe, MindNapping ist für mich nicht in dem Sinne Anspruch. In erster Linie für mich Entertainmentserien, damit ist ihnen ja nicht die intelligente Machart (nicht immer!) abgesprochen.

    Was ich im Radio nicht hören will ist Kunstkram ohne Sinn, nur der Worte oder der zu füllenden Sendezeit willen. Und leider gibt es da mangels Druck oder zuviel Geld oder was weiß ich immer noch viel zu viel. Allerdings ist es auch schwer für mich, die Radiolandschaft komplett zu überblicken, so wie ich es mir im kommerziellen Bereich eher zutraue. Dem Radio nähere ich mich ja aktuell ein wenig mehr an, lasse mich auch mal vom Ohrcast inspirieren. Wenn mir da allerdings erstmal so 2 von 30 Sendeterminen interessant erscheinen, kann man durchaus von nem Heuhaufen sprechen.

  • Dem Radio nähere ich mich ja aktuell ein wenig mehr an, lasse mich auch mal vom Ohrcast inspirieren. Wenn mir da allerdings erstmal so 2 von 30 Sendeterminen interessant erscheinen, kann man durchaus von nem Heuhaufen sprechen.

    Gut, das sieht jeder anders. Ich finde im Radioteil des Ohrcasts im Monat bestimmt 10 interessante Hörspiele oder mehr! Poe und Mind Napping sind durchaus anspruchsvoll finde ich. So anspruchsvoll, dass nicht immer alles von allen Hörern verstanden wird. (Mind Napping Folge 16 z.B.).

  • Ich höre sehr viele Hörspiele aus dem Radio, wesentlich mehr als kommerzielle Produktionen. Ich bin zwar nicht so auf Hörspiele fixert, sondern höre auch sehr viele Features und Lesungen, aber manchmal geht das auch ineinander über.

    Was auf jeden Fall stimmt, ist, dass es eher wenig wirklich hörenswerte Hörspiele gibt. Auch Krimi-Klassiker werden aus meiner Sicht viel zu wenig gesendet. Den Radio-Tatort finde ich persönlich jetzt nicht so austauschbar wie einer meiner Vorredner, sicherlich ist bei weitem nicht jede Folge stark, aber zwischendrin sind immer Highlights dabei. Ist vielleicht auch die Frage, was man von einem Krimi erwartet. Ich stehe nicht unbedingt aus Spannung, eine glaubwürdige Handlung und starke Dialoge, die sich zu einer dichten Atmosphäre vermischen sind mir wichtiger.

    Was mir bisher allerdings nicht konkret beim Krimi auffiel, ist die angesprochene künstlerische "Verbrähmung". Es gibt häufiger solche Produktionen, die einen zwanghaft künstlerischen Anspruch zu haben scheinen oder eine Doku bzw. ein Beitrag entpuppt sich als nervige Klangcollage mit wenig Inhalt. Sowas nervt mich i.d.R. auch und ich schalte dann ab, aber bei Krimis hatte ich dies bisher nicht. Da hätte ich gerne ein konkretes Beispiel, falls möglich.

  • Ist vielleicht auch die Frage, was man von einem Krimi erwartet. Ich stehe nicht unbedingt aus Spannung, eine glaubwürdige Handlung und starke Dialoge, die sich zu einer dichten Atmosphäre vermischen sind mir wichtiger.

    Ja, stimmt, ist sicher eine Frage der Erwartung, da hast du Recht.
    Für mich sollten Krimis spannend sein, dürfen aber auch gerne mal düster und mit Tiefgang sein. Was ich eher weniger mag sind Krimihörspiel, die fast nur aus Dialoge existieren, aber in denen ca. 50 Minuten lang so gut wie nichts passiert. Auch bin ich kein so großer Freund von experimentalen Krimis, oder Handlungen, wo die Kriminalgeschichte eher eine nebensächliche Rolle spielt. Solche Hörspiele sollten dann lieber zu anderen Sendeterminen laufen, aber nicht auf Sendeplätzen, wo man einen richtigen Krimi erwartet. Auch vermisse ich bei den neuen Produktionen, dass man mal wieder öfter zum Mehrteiler greift, wie es früher bei den Klassikern der Fall war.

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    Was mir bisher allerdings nicht konkret beim Krimi auffiel, ist die angesprochene künstlerische "Verbrähmung". ... Da hätte ich gerne ein konkretes Beispiel, falls möglich.

    Konkretes Beispiel habe ich jetzt nicht zur Hand, denn diese Krimis lösche ich immer schnell aus meinem Gedächnis. ;)
    Mir fällt bei sehr vielen aktuellen Krimis halt nur auf, dass hier die Krimi typische Elemente (wie Spannung) für mich einfach fehlen und habe beim Hören den Eindruck, als hätte man hier unbedingt auf "anspruchsvoll" produzieren müssen. Jedenfalls kommt dies bei mir so rüber.

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    Auch Krimi-Klassiker werden aus meiner Sicht viel zu wenig gesendet.

    Dem kann ich nur zustimmen. Ich habe den Eindruck, dass leider immer noch genug Hörspiel-Klassiker in den Rundfunk Archiven versauern. Und, da bin ich wirklich froh, dass es Verlage wie Pidax gibt, die hier einige Klassiker auf CD/mp3 "retten".

    Edited once, last by hoerspielkassette (January 7, 2015 at 10:18 AM).

  • Konkretes Beispiel habe ich jetzt nicht zur Hand, denn diese Krimis lösche ich immer schnell aus meinem Gedächnis.

    Sollte man seine Behauptungen nicht auch irgendwie belegen können? Das ist auf jeden Fall öfter die Forderung an mich, wenn ich hier Behauptungen aufstelle. Scheint nicht für alle zu gelten....

  • @Lenny: Ich habe versucht es zu beschreiben. Ob, du es glaubst oder nicht, wenn mir ein Radiokrimi nicht zusagt, lösche ich es direkt. Daher ist es schwer aus dem Stehgreif Titel zu nennen.
    Ich denke aber auch, dass vieles Geschmackssache ist. Ich mag nun mal lieber den "klassischen" Radio-Krimi. Wobei moderne Krimistoffe mir auch gut gefallen, wenn sie entsprechend umgesetzt sind... aber dies habe ich ja schon in meinem letzten Posting geschrieben, was ich bei Krimis mag und was weniger.
    Ein aktuelles Beispiel kann ich dennoch nennen: "Lelouchs Vision". Mit diesem Radio-Krimi konnte ich z.b. nichts anfangen. Obwohl sich die Textbeschreibung zum Fall richtig gut lass. Aber die Umsetzung hat mich überhaupt nicht angesprochen. Lief erst letztens im Dezember. Ein positives Beispiel, wovon ich mir mehr wünschen würde, wäre das Hörspiel "Die lästige Witwe". Lief ebenfalls im Dezember.

    Edited once, last by hoerspielkassette (January 7, 2015 at 10:21 AM).

  • @ hoerspielkassette:

    Das Beste wird sein, du schreibst direkt hier rein, sobald du als nächstes einen Krimi hörst, der dir in dieser Art missfällt. Wahrscheinlich wird es ja bald mal wieder so ein Hörspiel im Radio geben.

    Mir fällt ein Krimi ein, auf den ich mich sehr gefreut hatte und von dem ich dann sehr enttäuscht war: "Nebel am Montmartre" von Patrick Pécherot. Diese SWR-Produktion von 2013 lief vor einigen Monaten und war mir noch unbekannt, wurde dabei als "Hommage an Léo Malet/ Nestor Burma" angepriesen. Zwar hat der Autor Handlungselemente aus Malets Krimis aufgegriffen, aber dies war für mich weder spannend noch interessant und die Umsetzung war so fade, dass ich 15 Minuten vor Ende ausgeschaltet habe.

  • Ich höre fast nur Radiohörspiele, das aber noch nicht seit so vielen Jahren, dass ich mir ein Urteil über mögliche Verschlechterungen von deren Qualität erlauben könnte.

    Natürlich habe ich auch bemerkt, dass Produktionen aus früheren Jahrzehnten hörerfreundlich(er) inszeniert waren: Alle wichtigen Informationen und auch Namen werden mehrmals eingebaut, sodass man nicht mitschreiben muss; es gibt keine schnellen Wechsel der Orte, die man verpasst, wenn man zufällig mal kurz nicht hingehört hat, keine unvermittelten Sprünge in den zeitlichen Ebenen... Heutzutage scheint mir, dass aus Avantgarde-Denken und Experimentiertrieb diese "Grundregeln der Kommunikation" zwischen Hörer und Inszenierenden gebrochen wird. Manchmal kommt mir das wie reiner Selbstzweck vor, z.B. bei Schorsch Kamerun. Früher war das Hörspiel vielleicht eher wie Theater im Radio, heute ist es mehr wie modernes Kino. Das finde ich per se übrigens nicht schlecht, denn Stagnation ist auch langweilig, aber "old school" ist mir trotzdem lieber.

    Was die Qualität der Skripte oder den Ideenreichtum oder die Regie betrifft - keine Ahnung, ob es da einen qualitativen Unterschied zu früher gibt. Ich denke aber, die Radiohörspiele von heute sind zumindest insgesamt viel heterogener als früher. Auf B2 laufen oft mehrteilige Hörspielumsetzungen von Literaturvorlagen. Master und Margarita von vor ein paar Wochen schien mir von sehr hoher Qualität zu sein (ich habe aber nur kurz reingehört, weil ich eine andere Inszenierung schon kenne). Das geht halt mehr in Richtung von sogenannter "ernster" Kunst -- aber das ist, wie jemand anderes hier schon schrieb, eher eine unsinnige Stigmatisierung des Werks. Auf S2 laufen immer interessante Sachen, aber das ist mehr die Katze im Sack - ein bisschen wie das Programm in einem kommunalen Kino. 1LIVE ist eher poppig und auf Unterhaltung usw.

    Mir gefällt die Radiolandschaft soweit ganz gut. Ich würde mir wünschen, dass es öfter mehrteilige Produktionen a la Otherland oder des oben erwähnten Master und Margarita gäbe. Die mag ich nämlich am liebsten. Das darf von mir aus gerne auch eine Space Opera oder ein Gruselstück sein. Die öffentlich-rechtlichen sind dazu ja erwiesenermaßen in der Lage dazu, die IMHO besten Hörspiele zu produzieren, nur schöpfen sie es nicht aus.

    Gehen wir davon aus, dass dem so ist: Woran könnte es liegen, dass das Radio sich auf einstündige und einteilige Umsetzungen originärer Geschichten konzentriert? Ich habe da eine Vermutung und sage nur ein Wort: Hörbücher. Heute wird praktisch alles, was an Büchern und somit potenziellen Literaturvorlagen für ein Hörspiel neu erscheint, zeitgleich oder kurz darauf als Hörbuch auf den Markt gebracht. Natürlich sind Hörbuch und Hörspiel zwei paar Schuhe, aber beides ist so nahe miteinander verwandt, dass sich schon die Frage stellt, ob man als Hörer beides braucht.

  • Mir gefällt die großzahl der Radioproduktionen im Hörspielbereich auch nicht mehr.

    Die letzte "neue" Serie die mir gefallen hat war eine Hercule Poriot Reihe - aber das ist schon wieder so lange her, dass ich nicht mehr weis von welchem Sender die Produziert wurde - ich glaub swr - bin mir aber nicht mehr sicher.
    Ist aber bestimmt auch schon wieder 5 Jahre her.

    Mit den Radio Tatorten kann ich nach wie vor nicht viel anfangen. Den letzen mit dem Heiratsschwindler habe ich mir zwar vollständig angehört (mach ich auch nicht immer) aber begeistern konnte der mich auch nicht. Lief halt so vor sich hin - und die Xte Schatzinsel Vertonung hat mich 0 gereizt. Ich wusste wann Sie kommt, aber ich hab Sie nicht mal aufgenommen und auch nicht angehört, da es ja eh die gleiche Story ist, die ich ja schon kenne.

    Na ja, vielleicht bin ich auch einfach übersätigt. Ich muss zwar auch sagen, dass ich ältere Radio Hörspiele wie Holmes (Passetti), Prof- van Dusen, Magrait (falls der so geschrieben wird) und Paul Temple sehr gerne und auch immer wieder mal anhöre, allerdings gibt es das Radiohörspiele nun doch auch schon viele Jahrzehnte, und trotzdem gefallen mir (von den mir bekannten) Hörspielen nur recht wenige. Ich wüßte zum Beispiel nicht, was damals neben Paul Temple sonst noch so zu hören war und ob mir das besser gefallen würde als bsw. der heutige Radiotatort.
    Man vergleicht halt gerne auch die "Schätze" von vielen Jahren Radiohörspiel mit den aktuellen Sachen, vergisst dabei aber auch das ganze 0815 Zeug das damals auch lief, und das heute nur niemand mehr kennt ;)

    mfg
    warbird

    Life is a journey not a destination.

  • Ist auch wieder eine Geschmacksfrage, aber ich höre mir auch gerne 08/15-Zeug von früher an. Der "Ost-West-Krimi im Doppelpack" bspw., der ab und an auf DRadio Kultur läuft, bietet meist wenig originelle und dazu sehr kurze alte Hörspiele aus BRD und DDR, ich mag die aber irgendwie trotzdem.

  • Ich sehe es so ähnlich wie Gustav Grabstein.
    Heutige Radiohörspiele haben natürlich Qualitativ zugelegt, wenn man die verwendeten Techniken betrachtet...
    ...so sehe ich es auch für heutige aktuelle kommerzielle Produktionen.

    Es mögen einige Leute über diese Ausage lächeln, aber für mich macht es einen Unterschied, ob z.B. ein Hufeklappern von halben Kokusnuss Schalen kommt oder ein gesampelter Sound, der tausende Male in tausenden Produktionen erneut verwendet wird.
    Auch wenn es viele nicht bewusst hören können, ist dieser Unterschied unterschwellig hörbar und das Gehirn schaltet dann quasi auf Gleichgültigkeit weil nichts neues erlernbar ist!
    Das ist den meisten Menschen noch nichtmal bewusst!

    So ähnlich verhält es sich übrigens auch mit Musik von CD oder MP3. Oberflächlich gesehen mag es gleich sein, aber bewusst oder unbewusst gibt es Unterschiede worauf der Geist reagiert.

    Ich war früher ein sehr großer Fan von Radiohörspielen der auch gerne mal Produktionen aus den 50igern und 60igern hörte. Mitlerweile hat es sich etwas gelegt, da neuere Sachen nur noch wenig interessantes zu bieten hat.

    Radioproduktionen sollten sich meiner Meinung nach an Ihre Ursprünge entsinnen und quasi "back to the roots" kleinere Stücke produzieren, die vielleicht nicht unbedingt technisch top sind, dafür aber durchdachter sind in der Besetzung der Stimmen und vor allem der künstlerischen Umsetzung. Was mich stört ist das Hand in Hand produzieren mit dem kommerziellen Sektor!
    Produziert man hier die Hörspiele, um mit der kommerziellen Prostitution Geld in die Kasse zu spülen? Warum nicht mal einfach wieder ein Hörspiel produzieren um dem Radiohörer einen netten Sonntag Nachmittag zu schenken?

    Das ist allerdings auch nur meine ganz persönliche Meinung zum Thema :)

  • Ein aktuelles Beispiel kann ich dennoch nennen: "Lelouchs Vision". Mit diesem Radio-Krimi konnte ich z.b. nichts anfangen. Obwohl sich die Textbeschreibung zum Fall richtig gut lass. Aber die Umsetzung hat mich überhaupt nicht angesprochen. Lief erst letztens im Dezember. Ein positives Beispiel, wovon ich mir mehr wünschen würde, wäre das Hörspiel "Die lästige Witwe". Lief ebenfalls im Dezember.

    Habe mir das Hörspiel nun angehört. Fand das Hörspiel gut. Spannend aber auch bedrückend. Was genau hat dir an der Umsetzung nicht gefallen? Die Sprünge zwischen Realität und Scheinwelt?

  • Ich persönlich glaube nicht, dass wir uns in Sachen Radiohörspiel über einen Qualitätsverfall unterhalten müssen.

    Was Qualität ist, das liegt immer im Ohr des Hörers, der an ein Hörspiel bestimmte Erwartungen an Form und Inhalt anlegt. Und ich denke, dass gerade der Aspekt der Form sich stark gewandelt hat. Aktuelle Hörspiele betrachten es quasi als ihre Pflicht, die Inszenierung weniger traditionell anzulegen und die Geschichte nicht aus einer homogenen und auktorialen Haltung heraus zu erzählen, so dass es dem Hörer sichtlich schwerer fällt, den Geschehnissen zu folgen.

    Sicherlich ist es so, dass unter "Anspruch" viele das Experimentieren mit der Darstellungsform verbinden, und dass der Grat zwischen Innovation und der legendären "Kunstkacke" dabei ein schmaler ist, weil jeder narrative Purzelbaum die Gefahr verdichtet, dass derlei Experimente auf Kosten der Verständlichkeit das Dargebotene vollkommen hermetisch zu machen und den Hörer auszuschließen.

    Ich selbst bin kein Radiohörspielhörer mit jahrzenhtelanger Erfahrung, weshalb mir Vergleiche schwer fallen, aber wenn ich nun einige der neuren Radiohörspiele, die mir gut gefallen haben (z. B. zuletzt Das Kreuz auf dem Erlenberg, Die Infektion (Teil 1), oder Pastewkas Paul Temple-Variante, bzw. als englischsprachige Hörspiele von der BBC zuletzt Master and Commander und Good Omens), dann stelle ich fest, dass mich insbesondere die Tatsache an diese Hörspiele gebunden hat, dass sie mich nicht wegnicken lassen wollten, sondern mich nötigten, stets aufmerksam mitzuhören, weil es mir durchaus Probleme bereitete, mit halbem Ohr mitzubekommen, wer wann mit wem was tut.

    Insbesondere bei der sechsteiligen Umsetzung von Patrick O'Brians Seefahrerabenteuer habe ich mich nach Abschluss des ersten Hörens gleich ans zweite Mal begeben, weil dieses Hörspiel den Hörer von einem Dialog zum nächsten wirft, mit Zeit- und Ortssprüngen, mit einer Fülle unterschiedlicher Figuren, die oft nicht in jeder Szene explizit eingeführt werden, und das obendrein ohne einen wirklich klaren roten Faden, oder im Gegenteil vielen roten Fransen. Obwohl ich den Roman vor längerer Zeit gelesen hatte, war es mir nicht jederzeit möglich, die Figuren eindeutig auseinanderzuhalten (zugegeben war das aber auch im Roman schon keine ganz leichte Übung). Dennoch bin ich der Auffassung, dass ich lange keine fesselndere Toninszenierung gehört habe.

    Wohingehend ich die klassischen Hörspiele, die Holmeses, Poirots, Temples, all diese Detektiv- und Kriminalgeschichten, zum Teil aufgrund ihrer ungebrochen und in sich völlig ruhenden Schaukelstuhlinszenierung manchmal zum Einschlafen finde. Weil sie einem die Arbeit abnehmen, sich aufmerksam mit dem Hören zu befassen.

    Vielleicht habe ich auch nur das Gefühl, man müsse sich mit dem Hören wirklich beschäftigen, weil wir es heute verlernt haben könnten, dem Einsatz eines Sinnes unsere volle Aufmerksamkeit zu widmen und in einem Fort den Fokus verlören. Mag sein, dass gerade deshalb das "sperrige" Erzählen heute so angesagt ist, weil man damit das Publikum dazu zwingen kann, genau hinzuhören. Oder es sich - im schlimmsten Fall eben - vergrault ... weil früher alles besser war.

  • dann stelle ich fest, dass mich insbesondere die Tatsache an diese Hörspiele gebunden hat, dass sie mich nicht wegnicken lassen wollten, sondern mich nötigten, stets aufmerksam mitzuhören, weil es mir durchaus Probleme bereitete, mit halbem Ohr mitzubekommen, wer wann mit wem was tut.

    Das ist eines der Hauptprobleme heutzutage. Auf aufmerksames Mithören (dem Hörspiel vollste Aufmerksamkeit geben), haben die wenigsten Lust. Das Hörspiel muss nebenbei konsumierbar sein (bügeln, kochen, rasen mähen etc.). Ist es nicht nebenbei konsumierbar, wird es vom Hörer gern als "zu anstrengend" wahrgenommen. Sehr sehr traurige Entwicklung.

  • Das ist eines der Hauptprobleme heutzutage. Auf aufmerksames Mithören (dem Hörspiel vollste Aufmerksamkeit geben), haben die wenigsten Lust. Das Hörspiel muss nebenbei konsumierbar sein (bügeln, kochen, rasen mähen etc.). Ist es nicht nebenbei konsumierbar, wird es vom Hörer gern als "zu anstrengend" wahrgenommen. Sehr sehr traurige Entwicklung.

    Ist dies denn wirklich so??? Werden heute nur noch Hörspiele konsumiert, die nur so "dahinplätschern"?
    Also ich genieße Hörspiele in der Regel mit voller Aufmerksamkeit. Aber, bei dem Thema "Radio Hörspiele" ging es mir auch eher darum, dass z.B. bei Krimis im Radio kaum noch Spannung drin ist. Natürlich gibt es immer noch Ausnahmen, aber sie werden gefühlt weniger. Ich habe auch grundsätzlich nichts gegen "anspruchsvolle" Stoffe, aber deren "Umsetzung" gefallen mir im Radio heutzutage oft nicht mehr. Ist auch wirklich die Frage, was man unter "anspruchsvoll" versteht.

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