Wahre Begebenheiten als Hörspiel: Fändet ihr eine solche Reihe interessant?

  • Hallo Leute, ich habe da mal eine Frage:

    Mir schwirrt im Kopf seit vielen Monaten was herum, nachdem ich eine Folge von FAITH VAN HELSING der 2. Season hörte: In einer Folge (ich weiß gerade nicht mehr welche), spielt eine Szene in Hitlers Bunker kurz vor seinem Tode. Das war damals vom R&B Company Team so klasse und subtil in Szene gesetzt, dass ich fast schon wie dabei war. Irgendwie hat es auch meine Aufmerksamkeit gesteigert, da mich Weltgeschichtliches interessiert, wenn auch diese Szene eine dunkle Epoche der deutschen Geschichte darstellt.

    Was hieltet (schreibt man das so?) ihr davon wenn es eine Hörspielreihe gäbe, in der jede Folge eine andere Begebenheit der Weltgeschichte inszeniert? Vielleicht auch ein Hörspiel in der Inszenierung "was wäre wenn" bzw. eine Story um die Begebenheit herum geschrieben?!

    Es gibt ja einige solcher Reihen für Kinder zum lernen. Z.B. Guitar-Leas Zeitreisen. Auch viele Hörbücher gibt es zu Historischen Begebenheiten. Manchmal sind die EUROPA Originale auch mit dabei. Aber mich fasziniert noch heute die oben genannte Inszenierung von Hitler in seinem Bunker was das Dialogbuch, das beklemmende Gefühl in den Mauern unter der Erde und das mächtige Sounddesign betrifft.

    Würde Euch sowas neben all dem Grusel, Science Fiction, Fantasy, Krimi, Thriller Sach´ gefallen? Und was könntet ihr Euch verhörspielbar vorstellen, bzw. welche Geschichte der Welt würde Euch als Hörspiel interessieren? :?:

    "Auf Wiedersehen, aber es eilt nicht." (Rainer Brandt)

  • In einer Folge (ich weiß gerade nicht mehr welche), spielt eine Szene in Hitlers Bunker kurz vor seinem Tode.

    Dem berühmten Bunker in Argentinien oder dem in der Antarktis? ^^

    Grundsätzlich ist das schon eine spannende Angelegenheit, besondere historische Momente als Hörspiel aufzuarbeiten. Natürlich stark themenabhängig.

    Historische Szenen mit Schnarchfaktor, die daher eventuell nicht ganz so gut für Hörspielumsetzungen geeignet sind:

    - der Moment, in dem Marie Currie sagt: "Oh, das Zeug leuchtet sogar im Dunkeln... da kann man prima abends mit lesen!"
    - der Moment, als Henry Ford sich ärgert: "Tin Lizzy? - Blechliesel? Was für ein bescheuerter Name für die Karre!"
    - der Moment, als Edward Jenner sagt: "Ja, ich weiß, dass die stinkende Suppe hier aus Kuheutern stammt, aber es wird Ihnen wirklich helfen, vertrauen Sie mir!"
    - der Moment, als Charles Darwin sagt: "Ach... der Vogel da hat aber irgendwie 'n anderen Schnabel, so von der Form her... daraus ließe sich eine Theorie zur Entstehung des Menschen stricken..."
    - der Moment, als Mata Hari sich unbeobachtet fühlt und heimlich am Hintern kratzt

    Bestimmte andere historische Momente / Persönlichkeiten hingegen schreien ja förmlich nach einer Hörspielbearbeitung.


    (Hier könnte IHRE Auflistung stehen!)


    In kleinerem Rahmen habe ich so etwas ja auch schon geschrieben, mit "INSIGNIUM", wo auf wahren Tatsachen oder sogar auf wahren Mordfällen basierende Hörspiel-Krimis entstanden. Nur gibt es da Feinheiten, auf die man achten muss. Ich erinnere mich z.B. an eine Szene von "Insignium", in der während des 2. Weltkriegs ein Obersturmbannführer auftreten sollte. Im Hörspiel wurde er durch eine Unachtsamkeit zum "Obersturmbandführer". (Das war kurz vor der Herabsetzung zum "Oberstrumpfbandführer", schätze ich...) ^^ So etwas ist natürlich blöd, wenn man ansonsten penibel auf eine starke Umsetzung achtet.

  • Warum nicht, wenn sich der Sache ein Autor und ein Label annehmen die wissen was sie da machen und das vernünftig Produzieren. In meiner Vorstellung muss sowas Modern und auf höhe der (Hörspiel)Zeit gemach werden und nicht als Old-School Produktion daher kommen.

    Langeweile ist der Zeitvertreib der Dummen. (Erhard Blanck)

  • In meiner Vorstellung muss sowas Modern und auf höhe der (Hörspiel)Zeit gemach werden und nicht als Old-School Produktion daher kommen.

    Das mal vorausgesetzt. Ein paar Leute von TV-Sendern haben sich schon mal an Hörspielumsetzungen historischer Themen versucht. Kann man aber getrost in die Ecke kloppen. Was im Fernsehen funktioniert, kraft der Bilder, funktioniert so noch lange nicht als Hörspielumsetzung. Manche schaffen es, selbst das spannendste Thema, die dramatischsten, entscheidendsten Minuten, die die ganze Weltgeschichte in ihrem Lauf bestimmten, so langweilig und dröge zu inszenieren, dass man darüber schier verzweifeln könnte...

    Mir schwirrt im Kopf seit vielen Monaten was herum, nachdem ich eine Folge von FAITH VAN HELSING der 2. Season hörte: In einer Folge (ich weiß gerade nicht mehr welche)

    Die Szene, die du meinst, ist in Faith van Helsing, Season 2-Folge 4: "KÖNIG DER NACHT" zu hören.

  • Ich faende so etwas SUPER!!!! Das sind super Vorlagen und da fallen keine Lizenzkosten an. Als ich diesen Thread gelesen habe sind mir gleich mehrere Dinge in Erinnerung gekommen.

    Erstens die WDR Show Zeitzeichen. Da wird ein ganz besonderer Tag oder ein ganz besonderes Ereignis beleuchtet. Das koennte man auch dramatisieren und als Hoerspiel machen.

    Zweitens: Das Hoerspiel "Die Wikinger". Die erste Folge handelt von Rollo, dem Wikinger, und wie sie Frankreich angreifen und die Franzosen so lange aergern, bis der franzoesische Koenig ihnen die Normandie gibt. Das war fuer mich ein nie zu vergessender Eindruck und es hat Geschichte lebendig gemacht. Und es war auch mein erstes Hoerspiel mit Franz Josef Steffens und Konrad Halver.

    Ich finde Hoerspiele, die z.B. Schlachten beschreiben sehr interessant. Ich faende ein Hoerspiel ueber die Schlacht von Waterloo, Gettysburg oder Trafalgar super!!! Oder auch ein Hoerspiel ueber den Ausbruch des ersten Weltkriegs (das gibt es uebrigens als Download vom WDR. Ich glaube das heisst Nordlandfahrer - das ist klasse). Oder ein Hoerspiel ueber die Geschichte von Hannibal. Das koennte man dramatisieren und z.B. als 5 Teiler produzieren, welches dann die Geschichte von seiner Kindheit (in der er seinen Hass auf Rom bildet) ueber die Alpenueberquerung, die Schlacht von Cannae bis hin zur Niederlage gegen Scipio Africanus dramatisch darstellen. Oder die Geschichte Roms waehrend des Umbruchs von einer Republik zu einem Imperium von Sulla, ueber Caesar bis zu Augustus. Fuer das deutsche Publikum wuerde sich ein Hoerspiel um die Schlacht am Teutoburger Wald anbieten (vielleicht basierend auf den Comics). Es gibt uebrigens schon ein wunderbares Hoerspiel um das Bernsteinzimmer (basierend auf den Konsalikroman - Klasse Hoerspiel).

    Wenn ich z.B. an die aufregenden Schlachten in Russland denke, die in einem der Hornblower Hoerspiele dargestellt werden, dann kann ich gleich wieder das Kanonenpulver richen und die Rauchschwaden der Kanonen sehe ich auch schon vor mir. Auf Englisch gibt es das uebrigens. Das "Colonial Radio Theater on the Air" hat einige Hoerspiele ueber den Amerikanischen Buergerkrieg produziert. Ich habe unten ein paar Bilder angehaengt.

    Es gibt natuerlich auch grosse historische Ereignisse, die keine Schlachten sind, z.B. den Mauerbau, den Fall der Mauer, die Ausrufung der Republik in Deutschland, der Fenstersturz von Prag, Martin Luther und wie er seine Thesen an die Tuer nagelt (war das wirklich so?), oder ein Hoerspiel um die Befreiung der Geiseln von Mogadischu. Da gibt es viele aufregende Ereignisse, die als Hoerspiel sehr interessant waeren.

    Bei all diesen Ereginissen fallen keine Lizenskosten an. Man hat ein Rahmen einer aufregenden Geschichte und muesste es dramatisieren und fuers Hoerspiel umsetzten.

    Edited once, last by Cherusker (August 19, 2014 at 9:56 PM).

  • Ja, so etwas würde mir sehr gut gefallen. Aber es sollte doch einen interessanten Rahmen haben. So wie es zum Beispiel in dem für mich wirklich genialen und von Dir aufgezählten Guitar Lea der Fall ist. Aber auch O23 nimmt ja manchmal solche historischen Ereignisse und baut eine interessante Geschichte drum rum. Dann wäre da noch das ebenfalls geniale "Es war einmal der Mensch". Weitere Beispiele fallen mir jetzt spontan nicht ein. Ich hätte wirklich gerne mehr solcher Serien, aber es sollte nicht nur ein sachliches und nüchternes Nachspielen eines Ereignisses sein. das könnte schnell langsam werden und in einem Schulunterricht bzw. Frontalunterricht enden. Davon habe ich zu meiner Schul- und Studienzeit genug gehabt :P

  • Cherusker: Wow, die Cover sehen ja stark aus! Und sogar Davy Crockett ist auf dem "Alamo"-Bild drauf, Respekt!

    aber es sollte nicht nur ein sachliches und nüchternes Nachspielen eines Ereignisses sein. das könnte schnell langsam werden und in einem Schulunterricht bzw. Frontalunterricht enden.

    Ja, genau das meinte ich. Die Hörspiel-Dokus von den erwähnten TV-Sendern haben leider genau diesen Nachteil. Statt packender Inszenierung nur langweiliges Blabla. - Und wie Cherusker treffend formulierte: Da gibt es spannende Situationen noch und nöcher, in der Geschichte. Man müsste sich nur die richtigen und dramatischen Begebenheiten raussuchen. Aber man muss dabei, bekanntlich, sehr, sehr vorsichtig in der Themenauswahl und Umsetzung sein. Unter Historikern gibt es einen internationalen Konsens über manche Dinge, an dem man nicht ungestraft rütteln darf. Cherusker sprach z.B. den Ausbruch des 1. Weltkriegs an. Wenn da von einem Christopher Clark frecherweise ein Buch wie "Die Schlafwandler" veröffentlicht wird, hagelt es sofort Proteste.

    Zwar sind Christen durch ihren Glauben von Schuld befreit. Manche lieben es aber trotzdem, sich im schlammigen Pfuhl der Dauerschuld zu suhlen; ein Hobby, das sie sogar zur "Verpflichtung" oder "Verantwortung" verklären. Selbst wenn's nicht mal die eigene "Schuld", sondern die der Vorvorvorväter ist. Das "mea culpa" ist ihr allerliebstes Spielzeug. Das lassen sie sich nicht wegnehmen, ohne sofort laut loszuplärren. - Da muss man also sehr, sehr vorsichtig sein, was manche historische Themen und ihre Umsetzung angeht. Zumal in Zeiten, in denen die "political correctness" die Stelle der "Zehn Gebote" eingenommen hat.

  • Könnte ich mir gut vorstellen. Ich frage mich aber, aus welcher Perspektive das erzählt werden sollte damit es auch spannend ist. In der "Ich-Perspektive" eines Unbeteiligten?


    -- Bevor ich mich ärgere, ist es mir halt egal --

  • Lustig, weil wir gerade etwas in dieser Richtung konzipieren ;) .
    Ist natürlich noch lääääängst nicht spruchreif, da bislang nur die äußersten Rahmenbedingungen stehen, aber wir wollen mal sehen, ob es möglich ist, da etwas ordentliches niederzuschreiben.
    @ Hoax: Ja, dort wäre es aus Sicht eigentlich unbeteiligter Personen :) .

  • Wäre so etwas heute für Euch interessant? Welche Begebenheiten könnten dies sein? Was wäre Stoff für ein tolles Einzelhörspiel? Was für eine Serie? Und welche aktuellen Serien würden hier hinein passen?

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Nur eine kleine Zwischenbemerkung zu dem Thema:

    Wahre Begebenheiten wirklich literarisch aufzuarbeiten scheint mir für Autoren eine unglaubliche Kraftanstrengung zu bedeuten - mancher Autor der besten Exemplare dieser Gattung war danach ja bekanntermaßen so ausgebrannt, dass er danach im Prinzip kein vernünftiges Wort mehr zu Papier gebracht hat.

    Das sähe natürlich anders aus, wenn man als Autor wie bei den (sehr guten) bekannten Reihen für Kinder nach Schema F vorginge. Leider kann ich mir jedoch nicht vorstellen, dass man für eine Erwachsenenreihe einen Twist erfinden könnte wie z. B. eine Identifikationsfigur wie "Leo der Löwenjunge", der durch Zeit und Raum reist, um mit dem Hörer geschichtliche Ereignisse nachzuerleben, der einem nicht doch irgendwie übel aufstoßen würde, wäre die geschilderte wahre Begebenheit nicht auch ohne dies 100%ig als packende Story aufgearbeitet. Und genau dies ist halt nach meinen bisherigen Leseerfahrungen anscheinend mit das Schwerste in der Literatur, wenn das Ergebnis am Ende nicht aufgrund historischer Ungenauigkeiten oder aufgrund einer lahmenden Geschichte ärgerlich sein soll.

    Daher würde ich wohl eher für eine Reihe plädieren, welche die bestgelungendsten Romane/Erzählungen nach wahren Begebenheiten aus der vorhandenen Literatur bestmöglich als Hörspiel bearbeitet. Das wäre eine auf jeden Fall verheißungsvolle Reihe für mich.

    Doch natürlich will ich nicht ausschließen, dass einem Label mit irgendeinem Geniestreich auch eine ganz eigenständige gute Reihe zu so einer Vorgabe gelingen könnte. Doch damit ein Stoff am Ende nicht wie teilweise aus der Wikipedia abgeschrieben klingt, muss ein Autor ja wirklich bis auf den tiefsten Grund in die Materie eingestiegen sein. Dies für eine Reihenproduktion wieder und wieder zu leisten, halte ich für utopisch, es sei denn der Autor ist wirklich ein absoluter Spezialist bezüglich historischer Ereignisse... mir scheint das alles etwas zuviel verlangt...

    Plattenspieler ausmotten: Es gibt wieder neue Hörspiele auf Vinyl! Juhu, die Hörspielwelt wird wieder eine Scheibe! 8o

  • Und was könntet ihr Euch verhörspielbar vorstellen, bzw. welche Geschichte der Welt würde Euch als Hörspiel interessieren?

    Die Äußerung meiner allgemeinen Bedenken muss gestattet sein, allzu pessimistisch und absolut bitte ich sie jedoch nicht aufzufassen. Sie sollen nicht den Wind aus den Segeln nehmen, es kommt ja auch darauf an, was man unter wahren Begebenheiten versteht...

    Was für ein Hörspiel würde ich mir wünschen? Inspiriert durch die letzte Böhmermann-Sendung, in der nochmal deutlich wurde, was die Familien der NSU-Opfer neben der Trauer um ihre ermordeten Familienmitglieder an falschen Verdächtigungen, entsprechender Medienberichterstattung, Isolation oder Beschimpfung, weil man angeblich plötzlich mit der Mafia Geschäfte gemacht habe und anderes mehr, alles durchmachen musste, während man sich selbst wohl von Beginn an nie etwas anderes, als einen ausländerfeindlichen Anschlag vorstellen konnte, würde ich mir beispielhaft ein Hörspiel wünschen, dass das Leben einer oder mehrerer dieser Familien vom Zeitpunkt des Mordes bis zum Zeitpunkt der Enthüllung der Taten des NSU nachzeichnet. Ich weiß nicht, ob dies schonmal irgendwie versucht wurde, ob dies vielleicht im Sinne einer der Familien wäre oder gerade auch nicht. Aber wenn es auch nur eine Familie gibt, der es ein Bedürfnis wäre, diese quälende Zeit vom Einbruch des absoluten Grauens in das Familienleben bis zur letzten Gewissheit, dass man von Beginn an recht gehabt hat, aber niemand einem geglaubt hat, für so ein Projekt etwas detaillierter offenzulegen, sollte man das dringend machen...

    Plattenspieler ausmotten: Es gibt wieder neue Hörspiele auf Vinyl! Juhu, die Hörspielwelt wird wieder eine Scheibe! 8o

    Edited once, last by Rudolf Platte (November 3, 2022 at 11:54 AM).

  • NSU wäre mir auch sofort eingefallen - da gab es letztes oder vorletztes Jahr diese Reihe in der ARD, die als Hörspiel angekündigt wurde, aber eigentlich nur den Prozess vertont hat und das auch nicht als Hörspiel. Ich glaube das generelle Problem bei wahren Begebenheiten ist, dass sich dann eher ein Feature anbietet, statt eines Hörspiels. Gerade beim Thema NSU fände ich es schwierig, Hinterbliebene zu spielen und darzustellen. Niemand kann wohl nachfühlen, was sie genau durchmachen mussten und da kann man sich sehr leicht dran schneiden.

    Aber Arzu hat auch gezeigt, dass es funktionieren kann.

  • So etwas müsste halt in enger Zusammenarbeit mit Angehörigen entstehen, wenn denn gewollt. Ich denke schon, dass unsere begabtesten Sprecher dann schon auch alles darstellen könnten. Tatsächlich ist die Geschichte der Angehörigen, was sie nach den Morden erlebt haben, wie Polizeibefragungen und Medienberichte aufgefasst wurden, was das mit ihnen gemacht hat und wie es ihre Trauerarbeit behindert hat, was ihnen in der Folge noch alles wiederfahren ist bis klar war, dass der NSU für die Taten verantwortlich war, wohl dass einzige am gesamten NSU-Komplex, was man mit Sicherheit als wahre Begebenheit zum Hörspiel dramatisieren könnte, alles andere liegt zu sehr im Dunkeln und weist zu große Lücken auf, als dass man daraus ein echtes Hörspiel machen könnte... wenn es möglicherweise irgendwo Offenheit für eine tiefergehende Recherche zu dem Thema gäbe, dann nach allen bisherigen Erfahrungen doch wohl höchstens dort. Aber wie gesagt, vielleicht ist das auch etwas, was man inzwischen lieber in sich verschließt... käme wirklich auf eine Nachfrage an...

    Plattenspieler ausmotten: Es gibt wieder neue Hörspiele auf Vinyl! Juhu, die Hörspielwelt wird wieder eine Scheibe! 8o

  • Für mich gab es in den letzten Jahrzehnten ein Ereignis,also öffentliches,das mich mehr gepackt hat,als alles andere.Das war 9/11.
    Stundenlang, Nächtelang habe ich die Berichte damals geschaut.
    Inwiefern sowas in ein Hörspiel gepackt werden kann, keine Ahnung.

  • Bei so was ist natürlich immer Fingerspitzengefühl gefragt, will man sich nicht dem Verdacht aussetzen, ein Thema für sich nur ausschlachten zu wollen. Es gab ja kürzlich ein AUDIBLE-Hörspiel, das sich die Göhrde-Morde zur Vorlage genommen hat, um eine fiktive Geschichte darum zu spinnen, die jedoch deutlich erkennbar Parallelen zur Realität aufwies. Ich fand das, ehrlich gesagt, mehr als geschmacklos. Immerhin war der Ex-Ehemann einer der Getöteten zeitweise unter den Mordverdächtigen, den Bruder derselben Toten hat das Verbrechen jahrezehntelang nicht losgelassen, und da dann eine Geschichte drum herum zu erfinden, in der sich Realität und Fiktion vermischen und wo dann sogar der Hintergrund der Morde noch verändert wird zu einer Art Verschwörung - da war für mich die Grenze des guten Geschmacks überschritten.

    Bei den ÖRR gibt es ja im TV auch erkennbar den Trend, sich Stoffen aus der jüngeren Vergangenheit anzunehmen. Da wird dann immer eine plumpe Liebesgeschichte in einen historisch verbürgten Kontext gepresst, um dadurch wohl Geschichte erlebbar zu machen. Ich finde das aber oft nur plump und oberflächlich.

    Überzeugend fand ich seinerzeit Heinrich Breloers Auseinandersetzung mit dem heißen Herbst 1977. Spielszenen gemischt mit Interviewschnipseln, in denen Zeitzeugen das Ganze einordnen. Das war intensiv und erhellend gleichzeitig. Aber ob so etwas in Hörspielform funktionieren würde?

    Ich bin eher dafür, fiktive Geschichten in einen verbürgten zeitlichen Kontext zu setzen, um sich einer Zeit anzunähern. Bei Gereon Rath scheint das ja ganz gut zu funktionieren. Im TV war Weissensee eine Serie, die das ziemlich gut hinbekommen hat.

    Aber brauche ich nochmal so was wie den Untergang im TV? Klar, Bruno Ganz war beeindruckend. Aber der Rest doch ziemlich schwachbrüstig, wie ich finde.

    Auf jeden Fall, da stimme ich @Rudolf Platte zu, müsste das jemand machen, der wirklich sein Handwerk versteht. Und sich im jeweiligen zeitlichen Kontext und mit den agierenden Personen sehr, sehr gut auskennt.

  • Schon 1 oder 2 mal von mir in anderen Threads genannt: Die Geschichte der RAF von Anfang der 70'er bis zu ihrer Auflösung in den 90'ern. Je nach Konzeption könnten das 10 bis 20 Folgen werden.

    Es kann natürlich gut sein, dass so eine Serie einigen Leuten nicht gefällt.

  • Große vollständig aufgeklärte Mordfälle und andere Kapitalverbrechen der Geschichte wären wahrscheinlich die wahren Begebenheiten mit der größten Zugkraft für eine Verhörspielung, da nahe am konventionellen Kriminalhörspiel umsetzbar. So etwas aber stimmungsvoll umzusetzen, während Opferangehörige noch leben sehe ich auch als Problem. Doch Fälle aus grauer Vorzeit? Das könnte eine schaurig-schöne Angelegenheit werden... aber gibt's so eine Reihe nicht sogar schon im kommerziellen Hörspiel? War da nicht irgendwas mit wahren Verbrechen zwischen 1933-1945?

    Im Endeffekt war ja aber auch (wenn ichs richtig verstanden habe) gerade nicht nach weiteren Crime- oder Gruselthemem gefragt, die uns interessieren könnten, sondern etwas abseits davon.

    Wenn ich an die schönen alten, durchaus auch für Erwachsene anhörbaren DG-Hörspiele mit Will Quadflieg als Erzähler denke, in denen bestimmte Ereignisse im Leben großer Komponisten verhörspielt wurden, kommt mir noch die folgende Idee:

    Warum nicht mal besondere Ereignisse in Künstlerbiografien (nicht nur Musiker) als Hörspiel für Erwachsene ohne pädagogische Absichten? Viele haben ihre Autobiografie geschrieben, diese könnte man nach verhörspielbaren Episoden durchforsten....

    Persönlich würden mich ja vor allem SchauspielerInnen interessieren. Mit Hörspielen über spannende oder entscheidende Lebensphasen der Marilyn Monroes, James Deans oder Humphrey Bogarts dieser Welt oder auch der Gründgens, Rühmanns und Kinskis ;) könnte man vielleicht sogar ein größeres Publikum interessieren.

    Reihentitel: "Bühne Leben" oder sowas...

    Sorry, ihr merkt: mit der ganz großen Weltgeschichte als Hörspiel kann ich mich wohl eher nicht anfreunden...

    Plattenspieler ausmotten: Es gibt wieder neue Hörspiele auf Vinyl! Juhu, die Hörspielwelt wird wieder eine Scheibe! 8o

  • Es gab ja auch jüngst die Serie von Jan Gaspard, in der er die Merkel-Politik rund um Corona... äh, bearbeitet hat.
    Geht ja im Grunde auch in diese Richtung.

    Nähme ich die Serie mal zum Maßstab müsste ich sagen: Nee, brauche ich nicht.

    Aber wie immer gilt: Mit Qualität könnte man mich sicher vom Gegenteil überzeugen. ;)

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!