Wenn man die Resonanz zu diesem Thema als Maßstab heran zieht, dann ist das Interesse an fundierten und ausführlichen Rezensionen heute leider stark gesunken. Die Zahl der Rezensenten ist gesunken. Und die Zahl derjenigen die es konsumieren ist gesunken. Interesse gibt es nur noch für die kurzen Meinungsschnippsel samt Stern-Vergabe bei Amazon. Alles andere braucht man wohl nicht mehr in jenem Ausmaß wie früher…
Der Rezensent, das unbekannte Wesen?
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Thomas R. -
August 12, 2012 at 12:01 PM
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Wenn man die Resonanz zu diesem Thema als Maßstab heran zieht, dann ist das Interesse an fundierten und ausführlichen Rezensionen heute leider stark gesunken. Die Zahl der Rezensenten ist gesunken. Und die Zahl derjenigen die es konsumieren ist gesunken. Interesse gibt es nur noch die kurzen Meinungsschnippsel samt Stern-Vergabe bei Amazon. Alles andere braucht man wohl nicht mehr in jenem Ausmaß wie früher…
Wenn demnächst der Hörspiel-Konsum teurer wird (siehe Spotify), erfahren vielleicht auch die Rezensionen wieder eine Renaissance.

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Ich werde zu dem Thema gerne noch etwas schreiben – vielleicht schaffe ich es ja sogar noch heute.
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Poldi, wie lange schreibst DU denn schon Rezis? Ich denke es ist dein Lebenswerk, oder? Ich schätze jetzt einfach mal.... seit 2003? 2004? Also über 20 Jahre???
Gute Rezensionen zu schreiben muß man schon beherrschen! Es ist schwierig. Bei Amazon ist es immer recht abenteuerlich, wenn Rezis in 1-2 Sätzen abgehandelt werden, oder nur in wenigen Wörtern.

Für sowas benötigt man (viel) Zeit, und man muß wissen,wovon man redet. Bei manchen Hörspielen ist es auch recht schwierig eine Rezi zu verfassen! Handlungen sind als so komplex, das man der nicht immer Folge leisten kann. Die Schwarze Sonne z.B. war immer sehr schwierig zu beschreiben.
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Es sind tatsächlich 19 Jahre – aber ganz ehrlich, als Lebenswerk würde ich das nun wirklich nicht bezeichnen. Es ist und bleibt ein Hobby, das mir nach all der Zeit immer noch Freude bereitet.
Natürlich fließt viel Zeit und Mühe in jede Rezension, aber das mache ich gerne, weil ich mich mit den Inhalten auseinandersetzen möchte und es mir Spaß macht, meine Gedanken dazu zu formulieren. Manche Hörspiele – wie Die Schwarze Sonne – sind inhaltlich sicher anspruchsvoller, da muss man schon genau hinhören und nachdenken, bevor man überhaupt anfangen kann, etwas darüber zu schreiben. Aber genau das macht den Reiz aus.
Und es stimmt: Rezensionen schreibt man nicht mal eben so in zwei Sätzen runter – dafür braucht es Zeit und auch Begeisterung fürs Medium. Ob meine Rezensionen gut sind oder nicht, das möchte ich gar nicht bewerten – das sollen andere beurteilen. Mir ist wichtig, dass sie ehrlich sind und meine persönliche Sicht widerspiegeln.
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Darüber hinaus ist die Zeit der kostenlosen Rezensionsexemplare auf CD vorbei. Es fehlt nun auch für Rezensenten oftmals der Antrieb sich Stunden oder sogar Tage lang hinzusetzen um eine Rezension zu verfassen, weil man im Gegenzug dafür keine Gegenleistung von Seiten der Labels erhält. Und dann wäre natürlich der wohl wichtigste Grund überhaupt, der bei den oben aufgezählten Jung-Autoren zum Tragen kommt.
Ich möchte vorwegschicken, dass das keinesfalls persönlich gegen dich gerichtet ist, Markus. Seitdem du es geschrieben hast, habe ich immer wieder darüber nachgedacht, ob ich dazu etwas schreiben soll oder lieber nicht. Irgendwie ließ mich der Gedanke nicht ganz los.
Das ist ein Punkt, der mir ehrlich gesagt schon lange etwas sauer aufstößt. Es wird immer wieder mal – teils unterschwellig, teils ganz offen – unterstellt, dass man Rezensionen in erster Linie nur deswegen verfasst, um kostenlose Hörspiele abzugreifen. Das ist ein Argument, das sich hartnäckig hält, und ich frage mich ehrlich, warum offenbar so schwer vorstellbar ist, dass jemand schlicht Freude daran hat, sich mit Hörspielen intensiver auseinanderzusetzen, Gedanken zu formulieren, Eindrücke zu sortieren und diese dann strukturiert aufzuschreiben.
Ich kann da ganz offen aus dem Nähkästchen plaudern: Ja, ich bekomme viele Hörspiele zur Rezension kostenfrei zur Verfügung gestellt – das ist kein Geheimnis. Aber das war für mich nie selbstverständlich, und es war nie die treibende Kraft hinter dem Schreiben. Im Gegenteil: Es gab durchaus auch Zeiten, in denen Labels keine Gratisexemplare verschickt haben oder ich bestimmte Titel unbedingt rezensieren wollte, die nicht im Verteiler enthalten waren. Dann habe ich sie mir gekauft – in manchen Fällen zum halben Preis, in anderen zum vollen. Und trotzdem wurden diese Produktionen mit derselben Sorgfalt und Leidenschaft besprochen wie alle anderen auch.
Für mich macht es schlicht keinen Unterschied, ob ich das Hörspiel umsonst bekomme oder selbst bezahlt habe – wenn ich es bespreche, dann tue ich das, weil ich etwas dazu zu sagen habe. Der eigentliche Antrieb liegt im Medium selbst, im Austausch mit anderen Hörspielfans und in dem kleinen, aber feinen Beitrag, den man vielleicht zur Sichtbarkeit eines Hörspiels leisten kann. Das ist für mich Motivation genug – ganz ohne Blick auf eine mögliche Gegenleistung.
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Gerade in einer Zeit, in der das Angebot an Hörspielen so vielfältig und unübersichtlich geworden ist, können fundierte Meinungen Orientierung geben
Ich persönlich finde das aktuell besonders zutreffend. Meine Zeit ist (wie sicherlich jedem) kostbar & ich schaffe es kaum die Hörspielreihen zu hören die ich kenne, geschweige denn neue auszuprobieren. Da es aber doch immer wieder mal schön ist neue Geschichten / genres kennen zu lernen, stehe ich dann vor dem Berg an möglichen Hörspielen (neue & alte) und gerade da vermisse ich sehr die Hilfe / Informationen von Rezensionen. Deine lese ich gerne (sofern du eine zu einem Hörspiel verfasst hast, das ich gerade im Auge habe), aber sonst finde ich inzwischen wenig aussagekräftige Reaktionen. Wie bereits gesagt sind die 4/5 Sterne 2-Satz-Amazon Reviews ziemlich nichtsagend und oft ist sogar hier im Forum keine Auseinandersetzung mit dem Inhalt geziehlter Folgen zu finden.
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Ich denke die Zeiten, dass man das (Vor)Urteil Rezensenten schreiben nur um etwas günstig abzugreifen geltend machen konnte ohnehin vorbei sind. Wobei für mich (!) es vollkommen in Ordnung ging, dass Rezensenten für ihre Mühe, Zeit und Arbeit durch ein Rezensionsexemplar entlohnt werden. Eigentlich ist es sogar das Mindeste, was man erwarten kann. 10€ für mehrere Stunden Arbeit ist alles andere als überbezahlt. Das einzig Verwerfliche wäre, wenn man als Rezensent als Gegenleistung für die CD eine geschönte Meinung schreiben würde.
Ich denke dass die Zahl der Rezensenten weniger geworden sind. Gerne kann man mich eines Besseren belehren. Und dafür gibt es wie oben geschrieben mehrere Gründe. Und einer (!) der Gründe könnte (!) das Wegfallen des Lohnes in Form eines Rezensionsexemplares auf CD sein. Für mich ist dieser Grund auch überhaupt nicht Schlimmes. Ich selbst arbeite Selbstständig. Ich mache vieles, wie DerPoldi aus einer intrinsischen Motivation, also wegen der Sache selbst, wo mir das Gehalt wirklich egal ist, einige Trainings mache ich umsonst weil es mir die Sache wert ist. ABER es gibt auch Trainings, da bin ich ehrlich, wo die Lust nicht besonders hoch ist, und da spielt dann die Gegenleistung bei mir sehr wohl eine große Rolle. Da verlange ich dann deutlich mehr als meinen üblichen Stundensatz. Wird es abgelehnt, weil ich zu teuer bin, ist es OK, meine Freude war ohnehin nicht groß, werde ich aber, wie meistens, gebucht, dann ist meine Motivation einen schönen Batzen Geld zu verdienen. Daher finde ich es wirklich legitim, wenn vereinzelt Rezensenten als (Mit)Grund für ihre Arbeit das schöne Rezensionsexemplar anführen.
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Das ist ein Punkt, der mir ehrlich gesagt schon lange etwas sauer aufstößt. Es wird immer wieder mal – teils unterschwellig, teils ganz offen – unterstellt, dass man Rezensionen in erster Linie nur deswegen verfasst, um kostenlose Hörspiele abzugreifen. Das ist ein Argument, das sich hartnäckig hält, und ich frage mich ehrlich, warum offenbar so schwer vorstellbar ist, dass jemand schlicht Freude daran hat, sich mit Hörspielen intensiver auseinanderzusetzen, Gedanken zu formulieren, Eindrücke zu sortieren und diese dann strukturiert aufzuschreiben.
Ohne hier eine Diskussion starten zu wollen, die tatsächlich so alt ist wie Hörspielforen und Hörspielrezensionen im Internet an sich (was haben "wir" uns über dieses Thema damals kurz nach der Jahrtausendwende die Köpfe heiß geredet), möchte ich nur sagen, dass es zumindest zwischenzeitlich durchaus sehr laute Rezensentenstimmen gab, die z.B. bei Empfehlungen, eine Reihe im Blick zu behalten, zu Protokoll gaben, dass sie die ggf. besprechen würden, falls sie bemustert werden, anderenfalls eben halt nicht. Da konnte dann schon der Eindruck entstehen und vielleicht beim einen oder der anderen hängen bleiben, dass es mehr um das Bekommen denn um die Leidenschaft ging. Aber letztlich ist das Schnee von gestern, wir alle älter und vernünftiger
.Ich finde es jedenfalls prima, wenn es bei dir so ist, dass du aus Spaß am Schreiben und aus Liebe zum Medium deinem Handwerk nachgehst. Und nach 19 Jahren noch dabei zu sein, ist absolut aller Ehren wert!
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Warum werden heute eigentlich noch Rezensionen geschrieben?
Ich für mich schreibe Rezensionen wenn mich Labels bemustern und mir Rezensionsexemplare zur Verfügung stellen. Ich frage jedoch nie an. Deshalb kommt dies geschätzt 5x im Jahr vor. Daneben schreibe ich eine Rezension wenn ich die Lust verspüre mich mit einem Hörspiel intensiver als sonst auseinander zusetzen und die Forenmitglieder auf eine unbekannte Perle aufmerksam machen möchte.
Ich schreibe jedoch lieber kurz und knapp meine Eindrücke nieder. Das mache ich fast zu jedem gehörten Hörspiel, ist aber weit weg von einer Rezension. Es ist dann schlicht und ergreifend meine kurze Meinung. -
Warum sollten denn heute keine Rezensionen mehr geschrieben werden? 🙂
Ich mache das aus zwei Gründen: Erstens, weil es mir Spaß macht, meine Sicht auf ein Hörspiel einzuordnen – mit Kontext, Stärken, Schwächen, für wen es passt. Und zweitens, weil es anderen tatsächlich hilft, in dieser Flut an Neuveröffentlichungen etwas Passendes zu finden. Algorithmen zeigen dir „mehr vom Gleichen“, aber eine menschliche Rezension erklärt dir warum etwas funktioniert (oder nicht), vergleicht mit ähnlichen Produktionen, ordnet Cast, Musik, Sounddesign und Zielgruppe ein und managt Erwartungen.
Warum das weiterhin Sinn ergibt, habe ich letzte Woche wieder gemerkt: Jemand schrieb mir, er suche Einschätzungen zu einem bestimmten Titel. Es gab ganze zwei „Rezensionen“: einmal ein Einzeiler bei Amazon („Hat mir gefallen“) – und meine. Genau deshalb sind ausführlichere Besprechungen wertvoll: Sie geben Orientierung, statt nur Sterne zu verteilen.
Nebenbei sind Rezensionen auch eine Brücke zu den Macher:innen. Konstruktives Feedback kommt an, gerade bei kleinen Labels. Und sie sind ein Archiv: In zwei, drei Jahren weiß man dank einer Besprechung wieder, was einen überzeugt hat und warum.
Kurz: Ich schreibe weiter, weil es mir Freude macht – und weil jede Mail „Das hätte ich ohne deine Rezension nie gehört“ zeigt, dass es jemanden erreicht hat. Wenn dadurch auch nur eine Person ein tolles Hörspiel entdeckt, hat sich die Zeit gelohnt.
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Warum sollten denn heute keine Rezensionen mehr geschrieben werden? 🙂
Gute Frage, vielleicht weil man heute nichts mehr kaufen muss sondern sofort hören kann ohne Geld zu verlieren und deshalb nicht mehr so auf Rezensionen angewiesen ist wie früher?! Gefühlt nimmt die Zahl der Rezensionen ab. Die Rezensenten haben zum Teil die „Fronten“ gewechselt, manche sind jetzt Autoren, manche Hörspielmacher, manche betreiben einen Podcast. Wirkliche neue Rezensenten sind nicht dazu gekommen. Das ist aber jetzt nur meine kleine Sichtweise aus der Forumsblase heraus. Auf Insta sehe ich auch nicht viele Rezensenten, ein paar wenige, aber vielleicht tummeln sich alle auf TikTok oder Facebook.
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Nur weil man theoretisch sofort alles im Stream anklicken kann, heißt das ja nicht, dass man auch Lust hat, wahllos alles durchzuhören. Im Gegenteil: Viele möchten ihre Zeit gezielt nutzen und greifen deshalb bewusst zu Rezensionen, um vorher ein Gefühl dafür zu bekommen, ob ein Hörspiel zu den eigenen Vorlieben passt.
Streaming ersetzt für mich also nicht den Wert einer guten Besprechung, sondern verschiebt ihn nur ein Stück weit. Rezensionen sind heute eher ein Wegweiser in der Masse, die uns zur Verfügung steht – und gerade deshalb vielleicht sogar wichtiger als früher.
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Ich kann es mir zwar nicht vorstellen, aber wenn es so ist, ist es um so schöner und besser. Du hast sicher einen viel besseren Einblick auf die Aufrufe Deiner Seite und Rezensionen, heute wie damals. Mir fällt nur auf, dass es nur mehr wenige Rezensenten in meiner persönlichen Umgebung gibt. Aber dies muss nicht zwingend der tatsächliche Ist-Zustand sein. Vielleicht sind Rezensenten und Konsumenten einfach woanders wo ich bin.
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Ich lese lieber eine ausführliche Rezension als im Stream nach 30 Minuten festzustellen, dass mir das Hörspiel nicht gefällt. Von daher machen für mich Rezensionen auch weiterhin Sinn (außer diese Ein-Satz-Dinger)
Ich komm nur leider nicht mehr zum Schreiben 😂
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Ich muß gestehen, dass ich sehr selten Rezis durchlese. Allenfalls überfliege ich sie mal und dann aber wenn nur nach dem Hören. Diese „Ein-Satz-Dinger“ nehme ich dagegen gerne, ebenfalls in der Regel nach dem gehörten Hörspiel, aus Neugierde mit, wie anderen das Hörspiel so gefallen hat. Ich will immer möglichst unvoreingenommen in ein Hörspiel reingehen. Dies ist mir sehr wichtig. Angst im Stream Zeit zu verlieren habe ich nicht. Sollte sich Hörspiel mal als inkompatibel mit meinen Ohren rausstellen, dann wird abgebrochen. Meist kann ich mich aber auf mein Bauchgefühl verlassen und bin da sowieso der spontane nach Laune Hörer.

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hoerspiel Mich würde interessieren wann du ein Hörspiel bei nicht gefallen abbrichst.
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Ich sehe es genau so wie hoerspiel .
Lange Rezis lese ich gar nicht. Wenn dann kurze Dreizeiler. Und auch eher nachdem ich das Hörspiel selber gehört habe.
Und gleiches gilt fürs Schreiben. Für lange Rezis fehlen mir sowohl die Kreativität als auch die Motivation. Darum gibt es von mir immer nur ein paar wenige Zeilen.
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DerPoldi Meist wenn mich ein Hörspiel nicht anspricht, weil es zu langweilig ist oder ich in die Geschichte nicht reinfinde. Meine Gedanken schweifen dann immer öfter vom Hörspiel ab und irgendwann merke ich, wie ich komplett raus bin. Manchmal starte ich dann (zeitversetzt) einen zweiten Versuch, aber spätestens wenn der gleich verläuft, breche ich ganz ab. Es kann natürlich auch mal Hörspiele geben, wo ich rein aus Protest gezielt abschalte, weil es einen Inhalte hat, mit dem ich nicht einverstanden bin. Dies ist aber eher seltener.
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DerPoldi Schau mal, wir haben dazu einen eigenen Thread:
PostRE: „Hörspiel-Abbruch“ - Wann & Warum? Neue Umfrage Seite 2
Ich finde, dies kann man nicht 1:1 auf das Hörspiel umsetzen. Also ich persönlich gebe da dem Hörspiel deutlich mehr Zeit, bis ich abbreche. Für mich spielen aber insgesamt ganz anderer Gründe mit rein, warum Sachen von mir im Stream mehr und schneller abgebrochen werden. Wenn man von den geringen Abogebühr mal ansieht, habe ich für das angespielte Hörspiel nicht direkt bezahlt. Früher habe ich auch mal angebrochen, aber weil ich auch viel Geld reingesteckt habe, mußte es einfach…
hoerspielFebruary 20, 2023 at 8:06 AM -
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